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Israel und Palästina – der schwierige Weg zu Gerechtigkeit und Frieden

Lydia Feldhaus

Bericht zur Tagung der Solidarischen Kirche im Rheinland

am 21./22.09.2012 in Essen - Altenessen

Israel und Palästina – der schwierige Weg zu Gerechtigkeit und Frieden

Einführung

In seiner Einführung berichtet Friedhelm Meyer u.a. von Dr. Ghada Karmi, einer an der englischen Universität Exeter lehrenden und forschenden Palästinenserin. Sie wurde zu einem wissenschaftlichen Kongress an die FU Berlin eingeladen und den Teilnehmern als palästinensische Terroristin vorgestellt, wofür es auch anschließend keine Entschuldigung gab.

Der Bericht war verbunden mit dem Wunsch für die Tagung, dass niemand diffamiert werden möge, auch nicht als Antisemit wegen einer kritischen Haltung zur Politik Israels.

 

In der Einführung wurde auch schon die Pax-Christi-Aktion vorgestellt: Besatzung schmeckt bitter - Kaufverzicht für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel (s.u.).

Vortrag von Andreas Zumach

Kriegsgefahr und Friedensstrategien im Nahen Osten

Andreas Zumach benennt sieben Konflikte, die man seiner Meinung nicht isoliert betrachten kann:

1.  Der Konflikt zwischen Israel und Palästina

2.  Umwälzungen Naher und Mittlerer Osten

3.  Konflikte mit dem Iran

4.  Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten.

Konkurrenz der Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran

5.  Saudi-arabische Interpretation des Islam und Praxis des Wahhabismus

6.  Äußere Akteure in der Region: Der Westen, China und Russland

7.  Ressourcenknappheit z.B. Wasser

Lieder aus Israel und Palästina

Musik aus der jüdischen und islamischen Tradition

Alexander Morogovski, Köln

z.B. Lied aus dem mauretanischen Spanien, jüdische Weise ca.10. Jahrhundert, Jüdisches Kinderlied mit Melodie eines bekannten deutschen Volkslieds.

Gedichte von Mahmud Darwisch, zu finden unter: http://lyrikline.org/index.php?id=162&author=md02&show=poems&cHash=ff20423af7

Geistlicher Impuls

Achim Gerhard-Kemper, Pfarrer in der Gastgebergemeinde, stellte die Arbeit der Gemeinde vor. „Es geht nur mit Vernetzung."  Er wies auch auf das Schicksal von Menschen ohne Papiere hin. „Kein Mensch ist legal."

Vortrag von Christian Sterzing

Traumata und Friedensarbeit in Israel

Christian Sterzing stellte an den  Anfang seines Vortrages drei Definitionen:

1. Trauma: Begriff aus der Psychologie: Fischer und  Riedesser definieren Trauma in ihrem Lehrbuch der Psychotraumatologie (München, 1998. S. 79.) als:

„[...] ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt."

2. Narrativ:(Wikipedia)(lateinisch narrare „erzählen")

·Narrativ (Grammatik) ein Kasus oder Modus,

·Erzählung als Form der Sinngebung in der Entwicklung des Individuums, siehe Narrative Psychologie

·ein Bericht geschichtlicher Ereignisse als Teil einer Kultur bzw. als Teil der Geschichtsschreibung

3. Das kollektive Gedächtnis und die gesellschaftliche Praxis können von der „tatsächlichen" Geschichte einer Nation abweichen. (Adorno, Erziehung nach Auschwitz)

Geschichte soll kollektive Erinnerungen und nationale Identität schaffen. Dies ist besonders für Konfliktregionen bedeutend. Damit werden Argumente gesammelt, um die politischen Ansprüche  zu legitimieren. Das bedeutet für die beiden Konfliktparteien, dass ihre Gründungsmythen nur einen Teil der eigenen Geschichte beinhalten. Daraus folgt, dass ein kollektives Narrativ statt „objektive" Nahostgeschichte entsteht.

Israelisches Narrativ:

Für Israel bedeutet aus der Geschichte lernen, aus der Schoah zu lernen. Die Staatsgründung Israels wird als Befreiungstat erlebt.

Palästinensisches Narrativ:

Die Nakba ist das Trauma der Palästinenser. Auch die Palästinenser nehmen sich als Opfer wahr.

„Wir sind die Opfer der Opfer." Wieso sollen die Palästinenser den Preis für den Antisemitismus des Westens zahlen?

Es gibt sowohl eine Spirale der Gewalt wie eine Spirale der Gewaltopfer.

Das israelische Narrativ und das palästinensische Narrativ begründen konkurrierend die politischen Ansprüche. Es gibt so auch eine Konkurrenz der Opfergeschichten. Daher kann es eine gemeinsame Geschichtsschreibung noch nicht geben. Dazu ist eine Lösung des Konflikts und zeitliche Distanz nötig

Arbeitsgruppen

1. Frieden und Gerechtigkeit schaffen ohne Waffen(lieferungen)

mit Andreas Zumach

„Eine glaubwürdige, von der Uno mandatierte Schutztruppe muss in der Lage sein, einen Frieden in dieser Region zu schützen."

Vorbereitung der Plenumsbeschlüsse.

2. Erfolge und Misserfolge in der israelisch-palästinensischen Versöhnungsarbeit

mit Christian Sterzing. (Siehe Anhang)

3. In Verbundenheit und Solidarität mit Israel und Palästina

mit Dr. Volker Haarmann

Gespräch über den Diskussionsimpuls zur Lage Israel/Palästina der Evangelischen Kirche i.Rh. vom 9.9.2011. Kontroverse über den Beschluss der Rheinischen Landessynode 1980 zu der „Einsicht, daß die fortdauernde Existenz des jüdischen Volkes, seine Heimkehr in das Land der Verheißung und auch die Errichtung des Staates Israel Zeichen der Treue Gottes gegenüber seinem Volk sind".

Podiumsdiskussion

Es  gab eine leidenschaftliche Diskussion zu der Aktion von „Pax Christi": Besatzung schmeckt bitter; Kaufverzicht für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel.

Christian Sterzing vertrat die Position, die israelische Siedlungspolitik sei zu verurteilen, aber Israel - Warenboykott gefährlich. Andreas Zumach trat dafür ein, die Aktion von Pax Christi zu unterstützten. Auch vertrat er die Ansicht, dass Firmen, wie z.B. Caterpillar, die von der israelischen Besatzungspolitik profitieren, zu boykottieren seien. Er lehnte aber ab, den Boykott  auf Künstler und Wissenschaftler auszuweiten.

Dr. Volker Haarmann wandte sich gegen die Aktion von „Pax Christi". Er sprach von der Gefahr der Delegitimierung Israels.

Die Versammlung von ca. 40 TeilnehmerInnen beschloss bei nur wenigen Gegenstimmen:

1. Wir schließen uns der Aktion von Pax Christi an: Besatzung schmeckt bitter - Kaufverzicht für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel.

„pax christi fordert eindeutige Kennzeichnung der Waren aus israelischen Siedlungen.

Angesichts der derzeitigen unklaren Deklarierung empfiehlt die Nahostkommission Kaufverzicht".

( Näheres unter: www.paxchristi.de )

2. Wir  wenden uns gegen Rüstungsexporte in den Nahen Osten, insbesondere gegen U-Boot-Lieferungen nach Israel und nach Ägypten, sowie Panzerlieferungen an Saudi-Arabien und Katar.

Anhang

Notizen zur Arbeitsgruppe Erfolge und Misserfolge in der israelisch-palästinensischen Versöhnungsarbeit 

mit ChristianSterzing

Israelisches Friedenslager - zivilgesellschaftliche Gruppen setzten sich für eine friedliche Lösung ein - vielgestaltig, zersplittert und zerstritten - ist kleiner geworden mit den Jahren.

Man kann die  Gruppenunterteilen in

  1. 1. innergesellschaftliche Gruppen,
  2. 2. Dialoggruppen/Versöhnungsgruppen,
  3. 3. Humanitäre Gruppen (israelisch-jüdische Gruppen, die den Palästinenser helfen wollen)

1. Innergesellschaftliche Gruppen

Beispiele: Peace now (Shalom arschaf/Frieden jetzt): eine Bewegung die sich für eine zwei Staaten-Lösung einsetzt. Breaking the silence: Gruppe von israelischen Soldaten die
in den Besatzungsgebieten gearbeitet haben und öffentlich machen wollen,was in den Besatzungsgebieten geschieht. Eltern reden nicht mit ihren Kindern; Soldaten nicht untereinander, was sie dort tun.(siehe auch Literaturhinweis)

2. Dialog-/Versöhnungsgruppen

Beispiel: combatans for peace: Ehemalige israelische Soldaten und ehemalige Mitglieder des palästinensischen Widerstandes sprechen miteinander darüber, was sie während der bewaffneten Einsätze erlebt haben. Sie bekennen sich jetzt zur Gewaltfreiheit. Sie besuchen auch zu zweit (Palästinenser/Israeli) Schulen oder Gruppen, sowohl in Israel wie in Palästina. Aber sie sind gesellschaftlich-politische Außenseiter und haben z.B. Schwierigkeiten, neue Job´s zu finden.

3.Humanitäre Gruppen

Beispiele: Rabbiner für Menschenrechte (Rabbis for Human Rights) Arik Ascherman. Machsom (checkpoint) Watch (siehe auch Literaturhinweis)

Literaturhinweise von C. Sterzing:

  • Checkpoint Watch, Zeugnisse israelischer Frauen aus  dem besetzten Palästina von Yehudit Kirstein Keshet
  • Breaking the silence (Hrsg): Breaking the silence, Israelische Soldaten berichten von ihrem Einsatz in den besetzten Gebieten
  • Abdallah Frangi : Der Gesandte, Mein Leben für Palästina – Hinter den Kulissen der Nahostpolitik, Heyne Verlag
  • Chr. Sterzing, Jörn Böhme: Kleine Geschichte des israelisch palästinensischen Konflikts
  • Heinrich-Böll Stiftung(Hrsg): Palästina und die Palästinenser – 60 Jahre nach der Nakba

 

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