TRANSPARENTonline

für die kritische Masse in der Rheinischen Kirche

Nr. 83

editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen wir mit dem Lob. Dann haben wir es hinter uns. Dass der Innenteil des letzten gemeinsamen Heftes mit Amos in der Ökumene-Szene so positiv aufgenommen wurde, hat uns natürlich gefreut und motiviert uns, am Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) dran zu bleiben. Bei ihm gibt es für die Kirche im 21. Jahrhundert mehr zu lernen, als sich ein Impulspapier aus der deutschen Kirchenprovinz vorstellen kann. Indirekt gibt es auch Lob aus Dänemark. Der aktuelle Innenteil mit den Beiträgen über Widerstand von Christen und Kirchen gegen Ungerechtigkeit (Prof. Dr. Peter Lodberg und Pfarrer P.G. Schönborn) ist ein Produkt aus dem von der Universität Aalborg im August 2006 veranstalteten internationalen Expertenseminar: „Resistance and Christianity in the 20th Century – from Kaj Munk and Dietrich Bonhoeffer to Desmond Tutu“. Für die Konzeption des Seminars haben Innenteile aus Transparent (Romero, Bonhoeffer, Jägerstätter, Käsemann) Pate gestanden. Also: Gut, dass es „kritische Masse“ in der Ökumene gibt und Transparent dazu gehört.

Zurück zur Rheinischen Kirchenprovinz. „Wir sind gekommen, um zu bleiben…“, sagen die jungen Frauen und Männer, die wohl keine verbeamtete Pfarrstelle im Rheinland erhalten werden. Erstaunlich, wie sie ihre und die Situation unserer Kirche analysieren und ohne opportunistischen Lobbyismus die entscheidenden Fragen stellen! Da müssen doch der gesamten Landessynode die Ohren klingeln: „Wir sind gekommen, um zu bleiben…“! Wie wird das Pfarramt aussehen, fragen die jungen TheologInnen. Die Landessynode wird im Januar 2007 diese Frage nicht abschließend beantworten, aber sie muss eine Richtungsentscheidung gegen das Pfarramt im Beamtenstatus fällen, um alte Strukturen aufzubrechen, damit junge TheologInnen nicht nur in der Kirche bleiben, sondern diese beleben. (An dieser Stelle sind wir uns in der Red. allerdings nicht einig …)

Theologische Existenzen im 20. Jahrhundert, vergleichbar und jeweils ganz anders, werden durch Biografien vorgestellt. Keiner der jungen TheologInnen wünschen wir die Erfahrungen von Aurel von Jüchen, Eva Bormann oder Friedrich Langensiepen, aber auch sie sind zu ihrer Zeit in die Evangelische Kirche gekommen, um zu bleiben. Und sie haben Spuren hinterlassen. Spuren, Furchen, Einschläge, Abdrücke von solchen theologischen Existenzen hat Kirche gegenwärtig sehr nötig.

Das Ökumenische Forum Rheinland hat vor gut einem Jahr eine Ökumenische Versammlung zur Vorbereitung der Vollversammlung des ÖRK in Porto Alegre/Brasilien gehalten. Silvio Meincke, ein lutherischer Theologe aus Brasilien, hat damals einen Beitrag zur „Theologie der Befreiung“ gegeben, der in Transparent Nr. 81 als Innenteil nachzulesen ist. Nach dem erneuten Wahlsieg des bisherigen Präsidenten Lula in Brasilien bringen wir eine Analyse von Silvio zu den vier Jahren Lula, den Bedingungen, unter denen dieser erste brasilianische Präsident von unten regieren musste, seinen Erfolgen und Misserfolgen. Eine andere Welt ist möglich, aber sie hat gewichtige Gegner.

Seit den Zeiten der Urchristenheit haben Menschen des Volkes Gottes das gewusst und sich dem Imperium widersetzt. Heribert Böttcher zeigt das in seinem Beitrag am Beispiel des Johannesevangeliums. Gemeinsam mit der vertrauten Geschichte des Lukas, in der die Christenmenschen die Titel „Heiland“ und „Herr“ vom römischen Imperator auf das Kind in der Krippe übertragen, ist die „Kritik des globalisierten Kapitalismus“ ein weihnachtlicher Beitrag in diesem Heft.

In diesem Sinn wünschen wir unseren Leserinnen und Lesern befreiende Weihnachten und ein Jahr 2007, in dem die Opfer des gegenwärtigen Imperiums nicht zu-, sondern abnehmen.

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Erkenntnisgewinn durch Geldknappheit

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Hans-Peter Lauer

Erkenntnisgewinn durch Geldknappheit

Die akute oder vorhergesagte Knappheit der Kirche an Finanzmitteln ist vielfach von den Medien aufgegriffen worden, meist verbunden mit Berichten über Sparmaßnahmen. Dagegen nahm die Öffentlichkeit kaum Notiz von anderen Reaktionsmöglichkeiten auf diese Herausforderung. Aber je nachdem was als Hauptursache für die Verknappung kirchlicher Finanzmittel diagnostiziert wird, fällt auch die Problemlösung aus. Dabei lassen sich verkürzt vier Strategien typisieren.

Bildet die für unabänderlich gehaltene demografische Entwicklung das hauptsächliche Erklärungsmuster, dann ist eine eher fatalistische Strukturanpassung die Folge. Kostensenkungen sollen vor allem durch „Verkleinerung“ des Bestandes erzielt werden. Von einer echten Gegenstrategie kann man hier nicht reden, da ein Handlungsspielraum nur bei der Ausgabenseite gesehen wird.

Anders verhält es sich bei Reaktionsweisen, die nach neuen Wachstumsmöglichkeiten suchen. Eine auch von der EKD jüngst favorisierte Gegenstrategie teilt zwar die These der unmittelbaren Abhängigkeit kirchlicher Finanzkraft von der Mitgliederentwicklung, kommt aber, etwa durch die Annahme eines neuen gesellschaftlichen Bedarfs an Religion oder Wertevermittlung, zu anderen Konsequenzen. Durch ein missionarisches Programm, das vor allem die (erwerbsfähigen) Ausgetretenen und Kirchenfernen zur Zielgruppe hat, soll dem Trend einer negativen Mitgliederentwicklung entgegengesteuert und nach Möglichkeit sogar Mitgliederzuwächse erreicht werden.

Eine zweite Gegenstrategie befasst sich mehr mit den Schwachstellen des kirchlichen Haushaltens und zielt durch die Einführung betriebswirtschaftlicher Methoden auf eine Modernisierung der kirchlichen Ökonomie. Dazu gehört ein neues Personal- und Qualitätsmanagement, die Erschließung von Geldquellen, etwa durch neue Dienstleistungsangebote, und die Umstellung der durch Kirchensteuer betriebenen Arbeitsfelder auf Refinanzierung. Vorreiter einer solchen Modernisierung sind die diakonischen Unternehmen, die am sozialen Markt unter Konkurrenzdruck operieren. Aber auch Theologen zeigen eine zunehmende Vorliebe für Betriebswirtschaft und Management.

Die dritte Gegenstrategie setzt dagegen sozialethisch an und sieht die Verknappung kirchlicher Finanzmittel als Folge neoliberaler Politik. Eine Problemlösung wird vor allem durch ein stärkeres politisches Engagement der Kirche erwartet. Auch wenn es sich hierbei eher um eine kirchliche Außenseiterposition handelt, weil sie weniger der Interessenlage von Leitungsorganen entspricht, hat sie ihre Relevanz, indem sie auf die Verflechtung der kirchlichen Ökonomie mit der kapitalistischen Wirtschaft und die Abhängigkeit von entsprechenden Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Verteilungsprozessen aufmerksam macht.

Alle drei Gegenstrategien haben den Vorteil gegenüber einer fatalistischen Betrachtungsweise, dass sie die Ursachen der Verknappung in korrigierbaren Defiziten der Kirche sehen. Auch wenn das Hauptinteresse auf der kirchlichen Handlungsebene liegt, so führt hier eine akute oder prognostizierte Verknappung zugleich zu Erkenntnisgewinnen.

Diese Gegenstrategien können jedoch zu kurz greifen, solange sie ein grundsätzliches theologisches Versäumnis ausklammern. Indem gerade Geldknappheit in den Mittelpunkt kirchlichen Interesses tritt, wird nämlich auch eine bestimmte Lücke kirchlicher Selbstreflexion, gewissermaßen der blinde Fleck der Ekklesiologie, deutlich. Schon vor 23 Jahren stellte Wolfgang Huber, damals noch Professor für Sozialethik, in einem Beitrag mit der Überschrift „Zeugnisauftrag und materielle Struktur“ die Frage: „Gibt es theologische Kriterien kirchlicher Ökonomie?“ (W. Huber, Folgen christlicher Freiheit, Neukirchen 1983, S. 219) Die „materiellen Existenzbedingungen“ der Kirche, so seine indirekte Kritik, sind zwar „ein grundlegendes, aber gleichwohl nur sehr selten analysiertes Element der kirchlichen Ordnung“.

Die Integration der kirchlichen Ökonomie in die theologische Lehre von der Kirche, die hier angedacht wird, ist immer noch eine unerledigte Aufgabe.

Hans-Peter Lauer, Jg. 1957, ist Pfarrer für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) in Duisburg.

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„Wir sind gekommen, um zu bleiben …“

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Søren Asmus

„Wir sind gekommen, um zu bleiben …“

Der Rheinische Konvent vor der Synode

Ein Bericht aus der laufenden Arbeit

Im Vorfeld der Landessynode sammelt sich das ganze Potential des „theologischen Nachwuchses“, um sich in die nötigen Debatten einzubringen – über die Fragen von Stellen und Wahlfähigkeit hinaus.

Nun wird es ernst, könnte man meinen. Wenn im Januar die Landessynode tagt, erwarten viele Grundsatzentscheidungen im Blick auf Gestalt und Struktur der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) angesichts von Engpässen in der Finanzierung bisheriger Arbeit, Planungsfehlern und nötiger Restrukturierungen. Es wird wohl kaum eine Gemeinde, Einrichtung oder Gruppe innerhalb der EKiR geben, die sich nicht mit den Entwürfen der AG I und AG II befasst hat. Die Erwartungen sind also hoch gesteckt. Auch der Rheinische Konvent war natürlich mit den Fragen über die Zukunft der EKiR beschäftigt. Die in der Zeit seit der letzten Synode geleistete Arbeit des Konventes wird im Folgenden dargestellt, um am Ende die meines Erachtens bleibenden Forderungen zu benennen.

Aktivitäten des Rheinischen Konvents


Als erster Schritt war da die Stellungnahme zu den Vorschlägen von AG II, nahe liegend, ging es doch für die Mehrheit der Mitglieder des Konventes um ihre konkrete berufliche Zukunft. (Vgl. die Zusammenfassung in Transparent 81.) Für den Konvent war einerseits sehr erfreulich, dass unser Papier von vielen Seiten positiv aufgenommen wurde und in zahlreichen Beratungen zugrunde gelegt wurde. Immerhin steckte viel Arbeit neben dem laufenden pfarramtlichen Dienst der Konventler da drin. Andererseits war es doch auch erschreckend, wie viele blinde Flecken sich in den Vorlagen fanden, und wie wenig ähnlich fundierte Analysen aus anderen Teilen der Landeskirche die Öffentlichkeit erreichten. Aber vielleicht gilt ja: Einmal gut gemacht reicht.

Offene Fragen


In jedem Fall ist innerhalb des Konventes in der Folge zweierlei deutlich geworden:

  1. Die langfristige Planung der AG II geht von bedingt realistischen Prognosen aus. Denn auch wenn die rein finanziellen Erwägungen der AG zugrunde gelegt werden, bleiben zwei zentrale Fragen: Für die Jahre bis 2030 werden gerade gegen Ende unter den Neueinstellungen absurd hohe Zahlen nötig, bis zu 90 Personen pro Jahr. Woher diese Leute kommen sollen, bleibt dem Konvent schleierhaft. Denn zur Zeit geht die Zahl der Theologiestudierenden kontinuierlich zurück und darüber hinaus ist die gegenwärtige Perspektive keine Werbung für das Studium. Woher dann in ein paar Jahren das Vertrauen auf Anstellungsprognosen kommen soll, bleibt ein Rätsel. Zudem sollen zwar die Einnahmen bis 2030 um 50% zurückgehen, aber die Zahl der Mitglieder wird nur um ⅓ der gegenwärtigen Zahlen zurückgehen. Das heißt aber, da es ja vor allem ältere Menschen sind, die in den Gemeinden stark vertreten sind, obwohl sie keine Kirchensteuer mehr zahlen, die Arbeitsbelastung für die verbleibenden – zudem eher älteren – PfarrerInnen in den Gemeinden wird deutlich steigen. Wie hier ein gelingendes Modell der Arbeitsorganisation möglich ist, auch angesichts der vielen Teildienststellen, die schon jetzt in der Landeskirche vorhanden sind, lässt das Papier der AG II offen.
  2. Gerade letztere Beobachtung hat innerhalb des Konventes die Frage nach der Beteiligung am kirchlichen Dienst derer, die heute oder morgen entlassen werden, neu nach vorne gebracht. Einerseits sind es in der Mehrheit ausgebildete PfarrerInnen, mit zum Teil mehrjähriger Berufserfahrung. Theoretisch wären sie durchaus geeignet, etwaige Engpässe mit ausgleichen zu helfen. Praktisch gibt es aber dafür keine Konzepte. Um das Problem zu illustrieren: Zwar sind gegenwärtig viele derer, die ihre Ordinationsrechte erhalten mit der Situation ehrenamtlicher Betätigung in der Gemeinde zufrieden. Das liegt aber – wie eine Befragung unter den Entlassenen ergab, vor allem daran, dass es sich um Ehepartner von PfarrerInnen oder anderen Verdienenden handelt. Im Blick auf die nun entstehende Gruppe von am Ende ca. ¼ aller Ordinierten, die nicht im Pfarramt stehen, fehlen aber realistische Einschätzungen.

Ein Teil dieser Gruppe wird auf einen auskömmlichen Verdienst angewiesen sein, d.h. in anderen Berufsfeldern arbeiten. Wie daneben eine Tätigkeit in der Gemeinde möglich sein soll, ist fraglich, da auch hier die dafür zur Verfügung stehende freie Zeit nur bedingt mit den Tätigkeitsfeldern in der Gemeinde zur Deckung kommen wird. Hier kommen wohl ab und an Abendveranstaltungen und Sonntagsgottesdienste in Frage, Bereiche wie Beerdigungen, Trauungen, Konfirmandenunterricht und viele der Kreise und Gruppen werden aber nicht abgedeckt werden können. Engpässe gerade in den Schulferien sind dadurch absehbar.

Ein anderer Teil dieser Gruppe wird ggf. nach Wegen suchen, die pfarramtlichen Kompetenzen freiberuflich einzubringen. Die Frage ist hier aber, ob sich Gemeinden diese Dienste leisten können. In dem Moment, wo Menschen von Gottesdiensten, Unterricht oder Beerdigungen leben müssen, werden die gegenwärtigen Sätze für diese Tätigkeiten, wie sie als Aufwandsentschädigungen vorgesehen sind, definitiv nicht ausreichen. Eine Gruppe von PastorInnen hat sich daran gesetzt und mögliche Quoten ausgearbeitet, es gibt auch Überlegungen, über einen Verein solche Dienstleistungen zu einem garantierten Qualitätsniveau den Gemeinden anzubieten. Hierbei bewegen sich die anzunehmenden Kosten aber nun mal im Bereich freiberuflicher Sätze, d.h. zumeist über 100 Euro.

Wohin mit den PastorInnen ohne Stelle?


Davon unabhängig gibt es ein ganz zentrales Problem: Welchen Ort sollen die PastorInnen in der Kirche haben? Anders als in lutherischen Kirchen gibt es bei uns keine Ordination ins Ehrenamt, sondern es sind PastorInnen ohne kirchliche Stelle. Als TheologInnen dürfen sie dem Presbyterium oder den Kreissynoden nicht angehören, wenn sie keine Pfarrstelle besitzen. Als KollegInnen sehen sie sich von vielen GemeindepfarrerInnen beäugt, da diese Schwierigkeiten damit zu haben scheinen, neben sich PastorInnen zu haben, die regulär und fester Bestandteil der Gemeinde sind, aber in anderen Bereichen tätig sind. Als Freiberufler wären sie zudem z.B. im Bereich der Beerdigungen ggf. Konkurrenten auf dem Feld der Amtshandlungen. Was es aber heißt, wenn bei ca. 1.600 Pfarrstellen ca. 600 Pastoren ohne Pfarramt in dieser Kirche präsent sind, das hat sich noch niemand konkret überlegt.

An diesen Fragen arbeitet der Konvent notwendiger Weise aus der eigenen Betroffenheit. Aber unsere Aktivitäten beschränken sich nicht darauf. Mit drei Tagungen versuchte der Konvent notwendige Debatten in der Landeskirche anzustoßen.

Tagen für die Zukunft


Mit der Tagung vom Mai („Gold und Silber haben wir nicht …“, vgl. Transparent Nr. 81) haben wir uns auf das Feld von Zukunftsfähigkeit in der Kirche begeben, um über alternative Strukturen und Finanzierungen nachzudenken. Die Ergebnisse dieser Tagung, die auch auf der Internetseite des Konventes veröffentlicht sind, sollen auf einer weiteren Tagung in Kooperation mit der Evangelischen Akademie im Rheinland vertieft werden. Hier geht es um langfristige Perspektiven für die Kirche als Ganze. Weiterhin hat der Konvent in Kooperation mit dem Pastoralkolleg zwei Tagungen veranstaltet, bei denen es darum ging, konkret die Perspektive des Pfarramtes anzugehen. Nachdem zuerst nach Zukunftsperspektiven gefragt wurde, die sich für die von Arbeitslosigkeit bedrohten KollegInnen ergeben, fand eine weitere Tagung zum Thema „Was für PfarrerInnen wollen wir“ statt, auf der konkret nach den Folgen der gegenwärtigen Debatte für das Pfarrbild gefragt wurde. (Auch die Beiträge dieser Tagung sind auf der Internetseite des Konventes abrufbar.) Am Ende wurde innerhalb der Gruppe festgehalten:

Für pastorale Dienstleistungen müssen transparente und angemessene Kriterien für ein Honorar erlassen werden! Ferner wurden noch einmal Ziele bekräftigt, die ein Pastoralkolleg im Juni bereits definiert hatte:

  • Pfarrbild neu definieren
  • Die Bezeichnung „Pfarrer/in“ muss definiertes Qualitätsmerkmal werden, gemessen an Länge und Intensität der Ausbildung.
  • Die Generation der Pfarrer/innen ohne bezahlte Anstellung muss in geeigneter Weise an die Organisation Kirche angebunden werden. (Über die „geeignete Weise“ ist eine Verständigung herbeizuführen.)
Hier stellen sich deutlich Fragen, die über die gegenwärtige Debatte hinausgehen, aber in ihr unbedingt berücksichtigt werden müssen.

Und wie geht es weiter?


Die Arbeit endet nicht hier. Im Konvent wird deutlich: Wir befassen uns mit Fragen, die uns in der Zukunft nur begrenzt betreffen werden. Wenn die Mehrheit des Konvents ein Forum derer ohne Stelle sein wird, bleiben die Probleme der PfarrerInnen in Gemeinden und die weiteren Strukturfragen eher ein Thema am Rande, vor allem auch, da die gegenwärtige Struktur der Presbyterien und Synoden ein konstruktives Mitarbeiten dieser TheologInnen ausschließt. Stattdessen wird die Kirche eine große Menge an Begabungen verloren haben und mit immer weniger Mitarbeitetenden immer weniger Menschen erreichen können. So scheint es, dass die zentrale Prämisse der AG II, dass PfarrerInnen weiterhin in Beamtenverhältnissen, bei gegebenem Gehaltsgefüge, beschäftigt werden sollen, zu Aporien führt, deren Folgen noch nicht absehbar sind. In wie weit es auf der Synode gelingt, hier Alternativen im Bereich Anstellungsmöglichkeiten und Besoldung einzufordern, muss offen bleiben.

Welche Folgen die gegenwärtigen Vorschläge und die kommenden Änderungen in der EKiR für die PfarrerInnen in den Gemeinden und Werken haben werden, wird zur Zeit überhaupt noch nicht jenseits des Konventes debattiert. Wie eine Kollegin sehr richtig feststellte: Die Frage ist nicht so sehr, ob der „theologische Nachwuchs“ eine Stelle bekommt, sondern wie das Pfarramt in Zukunft aussehen wird, was dann noch bleibt, außer Beerdigen, Konfirmandenunterricht und Sonntagsgottesdienst. Damit aber wird die gegenwärtige Debatte auch zu einem pastoraltheologischen Rückschlag in die 1950er Jahre. Ob das im Interesse der KollegInnen im Amt und der Gemeinde ist, frage ich mich ernstlich.

Offen bleibt vieles


Der Konvent bleibt dran! Wir sehen die Fragen, die bisher noch nicht ausreichend angegangen sind, wir wissen um die immer neu auftretenden Finanzierungslücken, die z.T. auf politische Fehler der Vergangenheit zurückgehen. Unsere Forderungen haben sich nicht verändert: Wir suchen nach flexiblen Wegen, wie einerseits die gut ausgebildeten und hoch motivierten KollegInnen ihren Dienst für diese Kirche fortsetzen können. Dazu muss der Zugang ins Pfarramt flexibel bleiben, egal welche Steuerungselemente eingeführt werden. Dazu muss es andere, alternative Formen der Beschäftigung von TheologInnen und PastorInnen für Gemeinden und Werke geben (etwa in der Form von nebenberuflicher Tätigkeit, von befristeten Anstellungsverhältnissen im Rahmen von Gemeindeprojekten, von Stiftungen usw.). Dazu müssen die pfarramtlichen Tätigkeiten von PastorInnen, die freiberuflich arbeiten, angemessen honoriert werden. Dazu muss die Integration von PastorInnen in die Strukturen der EKiR geregelt werden. Dazu müssen die weitergehenden Fragen von Pfarrbild und Präsenz der Kirche in der Gesellschaft offensiv angegangen werden und sich die gegenwärtige Debatte von der Engführung auf die Gemeinde befreien. Dazu muss über das Gehaltsgefüge in der Kirche unter allen Mitarbeitenden geredet werden.

Uns ist deutlich geworden: Vieles ist zu bedenken, wir sind längst noch nicht am Ziel. Im Konvent gibt es viele engagierte Menschen, die durch die Diskussionsforen im Internet, durch die Konventsseite und auf Arbeits- und Thementagungen, aber auch in Pfarrkonventen, in Kreissynoden und Presbyterien ihr Wissen, ihre Visionen und ihre Fähigkeiten einbringen – weit über den aufgegebenen Dienst hinaus. Wir hoffen auf viele MitstreiterInnen unter den KollegInnen im Amt und in den Gemeinden, die von den nahenden Veränderungen viel stärker betroffen sein werden als wir, wenn wir „freigesetzt“ oder „out-geplaced“ werden. Unser Engagement bleibt, denn:

„Wir sind gekommen, um zu bleiben …“

Dieser Text ist eine Stellungnahme des Vorstandes des rheinischen Konventes. Weitere Informationen, alle Materialien und künftige Initiativen sind einsehbar unter:
www.rheinischer-konvent.ekir.de

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Spuren protestantischer Identität IV: Sola fide

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Okko Herlyn

Spuren protestantischer Identität IV: Sola fide

In Zeiten eines religiösen „anything goes“ erscheint es sinnvoll, sich protestantischerseits noch einmal der grundlegenden reformatorischen Erkenntnisse zu erinnern: solus Christus, sola scriptura, sola gratia, sola fide. Und sich vor allem der Frage zu stellen, was diese Erkenntnisse uns heute noch zu sagen haben.

Die Anerkennung, die uns „sola gratia“, umsonst geschenkt wird, hängt zwar nicht davon ab, aber sie will doch, wenn man so will, beim Menschen „ankommen“. An die Stelle der Werkgerechtigkeit bei Paulus, an die Stelle der Selbstinszenierung des modernen Menschen tritt nun nicht einfach nichts, sondern etwas durchaus Neues, Anderes. Nach reformatorischer Erkenntnis ist dies schlicht der Glaube. Dieser ist nun allerdings kein neues, sozusagen „frommes Werk“, mit dem man dann mit Gott auf andere Weise ins Geschäft kommen könnte. Mit sola fide wird aller Frömmigkeit zunächst einmal eine harsche Absage erteilt. „Willst du rechte Frömmigkeit, die vor Gott gilt, erlangen“, sagt Luther, „so musst du gänzlich an dir verzweifeln und Gott allein trauen.“

Das ist eine bittere Enttäuschung für alle katholischen Rosenkranzbeter und alle evangelischen Pietisten. Glaube heißt zunächst einmal: alles loslassen, alle Frömmigkeit, alle Spiritualität, alle Traditionen, alle Gewissheit, alle religiöse Geborgenheit, alle christliche Moral vergessen. Glaube heißt schlicht: sich ganz Gott anvertrauen. „Abraham vertraute dem Herrn und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an“ (1. Mose 15, 6). Das ist das biblische, von den Reformatoren wiederentdeckte Glaubensmodell.

Es scheint überaus karg und unattraktiv. Vor allem in Zeiten, in denen Religion – allen aufklärerischen Unkenrufen zum Trotz – mit einem Mal wieder „boomt“; Zeiten, in denen Menschen mit einem Mal an jeder Straßenecke „spirituelle Erfahrungen“ machen: ob in der Meditation oder in einer indianischen Schwitzhütte, ob beim Bungee-Springen oder dem Genuss einer Tasse grünen Tees, ob beim Seidenmalen in der Toskana oder dem Muschelsammeln im Wattenmeer. „Spirituell“ heißt: vermeintlich der Trivialität des Alltäglichen enthoben sein, vermeintlich einer anderen Wirklichkeit näher sein, zu sich selber und damit vermeintlich dem Göttlichen in mir auf die Spur kommen. Jede Buchhandlung, jedes Volkshochschulprogramm irgendeiner x-beliebigen Kleinstadt in der Provinz, jeder Prospekt irgendeiner Reisefirma, ja auch manches Mitteilungsblatt einer Kirchengemeinde ist mittlerweile voll von solchen „spirituellen“ Angeboten.

Aber auch hier gilt: Deine Sprache verrät dich. Gott macht Abraham kein „spirituelles Angebot“, wie ein Filialleiter bei Edeka es mit seinen Waschmitteln tut. Gott ruft, und Abraham vertraut diesem Ruf. Das ist alles. Sola fide. Zu wenig für den nach religiösem Rausch und spirituellem Event, nach Räucherstäbchen und erlebbarer Göttlichkeit gierenden modernen Menschen? Vielleicht. Vielleicht aber auch dies eine nüchterne Befreiung von etwas, für das man nicht eigens Karl Marx bemühen muss, um es „Opium“ zu nennen. Wir könnten auch sagen: Sola fide als Befreiung von Wirklichkeitsvernebelung und Volksverdummung. Nötig hätten wir auch diese Befreiung allemal.

Wir mögen nämlich so viele Kerzen anzünden, so viele Taizé-Gesänge anstimmen und auf so viele Ganzheitlichkeitstrips gehen, wie wir wollen, solange es uns dabei nicht um den befreienden Gott Israels, nicht um den Vater Jesu Christi geht, nicht um den „einzigen Trost im Leben und im Sterben“ geht, sind alle spirituellen Übungen leeres Stroh. Deshalb wird eine evangelische Gemeinde, die aus dem „sola fide“ lebt, neu nach Möglichkeiten zu suchen haben, in denen es zu einer Begegnung mit jenem Trost überhaupt kommen kann: Gottesdienst, Sonntagsheiligung, Bibellese, Gebet, Zeiten der Stille und des Kampfes. Sie wird neu diese und andere Räume aufzusuchen haben – nicht um irgendwelcher selbstheilenden Kräfte, sondern nur um einer Aufmerksamkeit willen für das, was Gott uns zu sagen hat.

Wenn etwas eine protestantische Identität ausmacht, dann ist es diese Aufmerksamkeit.

Okko Herlyn, Ev. Theologe, 1977-1994 Gemeindepfarrer in Duisburg, seit 1994 Professor an der Ev. Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum, seit 1996 Privatdozent an der Ruhruniversität Bochum.
Zahlreiche Veröffentlichungen. Nebenher kabarettistische Auftritte in Kulturzentren, Kleinkunstbühnen, politischen und kirchlichen Szenen.

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Viele Wege führen nach … 2030

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Manfred Alberti

Viele Wege führen nach … 2030

Viele Wege führen nach Rom: schnelle, langsame, schöne, bequeme, gerade, kurvige … – aber welcher ist der beste? Das Ziel der Rheinischen Landeskirche 2030 ist schemenhaft im Blick: eine Kirche mit weniger Gemeindegliedern, mit weniger Kirchensteuern und mit viel weniger PfarrerInnen und noch weniger angestellten MitarbeiterInnen. Eine Kirche, in der Ehrenamtliche wichtige und zentrale Aufgaben wahrnehmen – noch viel intensiver als heute.

Doch wie kommt man diesem Ziel näher: schnell – mit radikalem Stellenabbau und fast keinen Neueinstellungen? Oder langsam – auf Veränderungen hoffend und vorerst noch den Reichtum der Gegenwart genießend? Wie lange will man alle mitnehmen, die sich auf diesem Weg befinden? Müsste nicht das Reisegepäck klein und wenig belastend sein? Und wer bestimmt überhaupt den Weg? Alle, die den Weg mitgehen und mitgestalten müssen? Oder nur einige wenige, die den Überblick zu haben glauben.

Die Diskussion über den Weg der Rheinischen Kirche bis in das Jahr 2030 hat die meisten rheinischen Presbyterien und Kreissynoden intensiv beschäftigt. Ausführliche Stellungnahmen zeugen von eingehenden Auseinandersetzungen.

Leider hatte die Prioritätendiskussion in der EKiR strukturell zwei Grenzen, die sich negativ auswirkten:

Zum einen hatte die Landessynode den Atlas vorgegeben, nach dem man den Weg aussuchen musste. So wurden in der Auswertung nur die in das vorgegebene Fragebogenraster passenden Antworten auch berücksichtigt – die Antworten ganzer Kirchenkreise (zu AG II) fielen ärgerlicherweise unter den Tisch. Da aber niemand Weg und Ziel für 25 Jahren auch nur annähernd abschätzen kann, wäre eine offenere Diskussion angemessener gewesen: Zu große Unwägbarkeiten stecken alleine schon in allen finanziellen Vorausschauen, wie die Stellungnahme des Rheinischen Konventes sehr deutlich macht: Vielleicht lassen die Abschaffung der Kirchensteuer oder enorme zusätzliche Erträge aus der Rentenbesteuerung alle Denkspiele für 2030 schon bald zur Makulatur werden. Wer da die Diskussion so einschränkt auf vorgegebene Pfade und bestehende Strukturen, wie es die Landessynode gemacht hat, der riskiert, wichtige Weghinweise gar nicht in den Blick zu bekommen und sich zu verirren.

Zum anderen litt die Diskussion an einer andere Schranke: Jedes Presbyterium beugte sich über den vorgegebenen Atlas, diskutierte einzelne Wegstrecken und Alternativen, um sich dann in der Kreissynode mit anderen auszutauschen und die Ergebnisse nach Düsseldorf zu schicken. Dass 400 andere Presbyterien und 43 andere Kreissynoden ebenfalls monatelang die Köpfe rauchen ließen, Ideen hatten, Vorschläge entwickelten, Hinweise auf versperrte Wege fanden oder neue Routen entdeckten, davon bekamen alle anderen kaum etwas mit. Im Laufe des Diskussionsprozesses gab es keine Zwischenergebnisse, keine neuen Ideen oder abgehakten Streckenvorschläge, die an alle Mitdiskutierenden weitergegeben werden konnten. Keiner konnte alle anderen auf Sackgassen hinweisen oder vor Holperstrecken warnen. In der EKiR gibt es kein Kommunikationsmedium mehr (wie früher den „Weg“), das durch Leserbriefe, Kommentare oder Artikel hilfreiche und weiterführende Akzente für eine breite Diskussion hätte setzen können. Das Presbyterium, das sich im August mit der Prioritätendiskussion beschäftigte, musste das auf der gleichen Grundlage tun, wie das Presbyterium, das schon im März damit begonnen hatte: Rheinlandweit gesehen eine statische Diskussion und eine vertane große Chance. Denn wenn z.B. die Wut in vielen Presbyterien über die generalisierten und pauschalierten Vorwürfe der Überforderung und Unfähigkeit der Presbyteriumsebene frühzeitig öffentlich geworden wäre, hätte solchen Konflikten ebenso frühzeitig die Spitze genommen werden können. Wenn landessynodale Mitglieder der AG I hoch und heilig versichern, eine Entmachtung der Presbyterien wäre niemals ihr Ziel gewesen und solche Interpretation der Papiere wäre nur ein Missverständnis, dann hätte eine frühzeitige Verdeutlichung in einem Diskussionsforum für alle PresbyterInnen, MitarbeiterInnen und PfarrerInnen manchen explosiven Zündstoff aus der Diskussion herausnehmen können. Hier leistet sich die Rheinische Kirche durch das Fehlen eines geeigneten Diskussionsmediums ein Defizit, das gerade bei den in Zukunft verstärkt notwendigen breiten Diskussionen verheerend ist.

Nun liegen inzwischen die ersten groben Auswertungen der Rückmeldungen vor. Einige wenige Akzente:

1. Erstaunlich groß ist an wichtigen Stellen die Kluft zwischen Presbyterien und Landessynode. Alle beteiligten landeskirchlichen Ausschüsse befürworten in ihren Rückmeldungen z.B. die Stärkung der Kirchenkreise, die durch kreissynodale Beschlüsse über Gemeindegrenzen und Fusionen verfügen sollen sowie durch die Aufgaben- und Strukturkonzeption des Kirchenkreises den Gemeinden Aufgaben zuordnen oder wegnehmen können. Nicht einmal ein Drittel der Presbyterien hält das für einen sinnvollen Weg. Und dass PfarrerInnen zukünftig beim Kirchenkreis angesiedelt sein sollten, trifft bei einundachtzig Prozent aller Presbyterien und bei dreiviertel aller Kreissynoden auf keine Zustimmung, wohl aber befürwortet das die Hälfte der Landessynodenausschüsse.

2. Die sehr starke presbyteriale Ablehnung der Übertragung von Zuständigkeiten aus der Presbyteriums- auf die Kirchenkreisebene warnt vor einem epochalen Umbruch im Rheinland: Werden in Zukunft die Kreissynodalvorstände (KSV) die eigentlich Mächtigen sein anstelle der Presbyterien? Eine verstärkte Wahrnehmung der vorhandenen Aufsichtsmöglichkeiten und einige wenige zusätzlich notwendige Steuerungsmöglichkeiten könnten bei Beibehaltung der Kompetenzen der Presbyterien Fehlentwicklungen verhindern, ohne das ganze System zu verändern. Bei den auf www.prioritaetendiskussion-ekir nachzulesenden Stellungnahmen sind sich nahezu alle Voten von reformierter Seite bis hin zur Stellungnahme des Lutherischen Konventes einig, dass das rheinische System starker Presbyterien mit Einbindung in synodale Strukturen sich bewährt habe und keinesfalls umgedreht werden dürfe. Beratung und Unterstützung sei die Hauptaufgabe der kreissynodalen Ebene, keinesfalls dürfe sie die Leitungskompetenzen über die Gemeinden an sich ziehen.

3. Fast dreiviertel der Presbyterien und Kreissynoden lehnen das Vetorecht von KSV und Kirchenleitung bei der Pfarrwahl ab: Bei Annahme der Vorschläge der AG II mit der Einführung eines sehr begrenzten Pools der allein wahlfähigen Theologinnen und Theologen würde das Vetorecht überflüssig und das alleinige Wahlrecht könnte bei den Presbyterien bleiben.

4. An der Schaffung dieses eng begrenzten Pools von für eine Pfarrwahl zur Auswahl stehenden TheologInnen scheint es kaum Kritik zu geben. Umstritten sind allerdings die Fragen der Aufteilung der Plätze an Warteständler, Sonderdienstler, TheologInnen im Ehrenamt oder den theologischen Nachwuchs. Diskutiert wird auch das Auswahlverfahren durch ein Assessmentcenter.

5. Eine breite Diskussion gibt es über die Rechnung, dass vorerst jährlich nur fünf Vikare und Vikarinnen in zbV-Stellen („zur besonderen Verfügung“) berufen werden könnten: Eine Personalstruktur, in der in jedem Kirchenkreis durchschnittlich nur alle acht Jahre ein junger Theologe oder eine junge Theologin gewählt werden könnte, erscheint vielen völlig undenkbar: Die Altersstruktur der PfarrerInnen würde katastrophal steigen: Unsere Kirche bald eine Seniorenkirche. Hier müssten dringend Überlegungen verstärkt werden, Arbeitsstellen innerhalb der Kirche für junge TheologInnen auch dann zu schaffen, wenn es im Bereich der Pfarrstellen zurzeit keine zusätzlichen Besetzungsmöglichkeiten gibt.

In diesen Tagen des Erscheinens von Transparent bekommen die Synodalen die Vorschläge der Kirchenleitung als Diskussionsgrundlage für die Landessynode im Januar 2007 unterbreitet. Die Papiere der landessynodalen Arbeitsgruppen sind keine Papiere der Kirchenleitung gewesen, wie es viele Diskussionsbeiträge angenommen haben. Welche Beschlüsse die Synode fassen wird, wird man erst auf der Synode abschätzen können.

Ob sie den Vorschlag aus der Kreissynode Essen-Nord nach einem Moratorium aufnehmen wird, ist ungewiss. Beratungsbedarf gäbe es noch in einem großen Maße:

• Eine Kirche der Zukunft darf es sich in keinem Jahr erlauben, die Zahl der jungen nachrückenden TheologInnen so eng zu begrenzen wie angedacht.

• Das Ziel 2030 ist noch viel zu unscharf: Eine hauptsächlich auf der Arbeit von Ehrenamtlichen aufbauende Kirche darf nicht die wichtigsten Kompetenzen von den Presbyterien auf höhere Ebenen verlagern.

Deutlich geworden ist das große Interesse vieler Christen auf allen Ebenen an einer intensiven Diskussion über die Zukunft unserer Kirche und an einer Mitarbeit an den dabei auszusuchenden Wegen. Diese Chance sollten Landessynode und Kirchenleitung sehen und dafür Raum und Möglichkeiten schaffen. Die Ergebnisse der Diskussionen 2006 wären eine gute Grundlage für einen neuen detaillierteren Atlas für die Fahrtenplanung in das Jahr 2030. Ein neues rheinlandweites Nachdenken über die vielen noch offenen Fragen könnte der Suche nach tragfähigen Lösungen sehr dienlich sein.

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