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Interview mit Bischof Zephanja Kameeta

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Wir brauchen keinen Ratschlag aus Deutschland

Interview mit Bischof Zephanja Kameeta, Namibia
(Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Namibia, ELCRN)

Bischof Kameeta, eine Delegation der EKD hat neulich Namibia besucht. In wieweit war Ihre Kirche an den Vorbereitungen dieser Reise beteiligt?

Kameeta: Wir waren tatsächlich nicht an der Vorbereitung beteiligt. Es war ein Besuch unserer Schwesterkirche der ELCIN/DELK (d.h. Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia/Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche).Das einzige Mal, dass wir die Delegation trafen, war an dem Abend, als sie den Kirchenrat der drei lutherischen Kirchen besuchten. Wir waren also in keiner Weise beteiligt.


Es gibt einen Vertrag zwischen der EKD und der DELK, der die gegenseitigen Beziehungen betrifft. Was halten Sie von diesem Vertrag im Hinblick auf die Vereinigung der drei lutherischen Kirchen?

Ich habe diesen Vertrag gelesen. Aber ich erinnere mich nicht an Einzelheiten. Man hat uns  daran nicht teilnehmen lassen. Ich will das nicht thematisieren. Was ich aber bei dem einen Treffen gesagt habe, war Folgendes: Wovon auch immer der Vertrag handelt, ich hoffe, dass er dem Prozess einer Vereinigung nicht im Weg steht und dass er uns das Zusammenkommen nicht erschweren wird. Das ist meine Hoffnung.

Wie hat die EKD darauf reagiert, als Sie das gesagt haben?

Es gab überhaupt keine Reaktion. Ich hätte wirklich gerne eine Reaktion gehört. Ich hätte wirklich gerne mehr darüber gehört, was sie dazu zu sagen haben.

In der deutschen Presse wurde berichtet, dass Bischof Huber den Kirchen im südlichen Afrika geraten hat, ihre Rolle nach dem Kampf gegen die Apartheid, in dem sie als prophetische Kirche gewirkt haben, wiederzufinden. Inwiefern sind solche Ratschläge relevant und hilfreich?

Ich glaube wirklich nicht, dass wir einen Ratschlag aus Deutschland brauchen, wie wir unsere Arbeit in Namibia zu machen haben. Natürlich weiß ich, dass nach der Apartheid die Kirchen große Schwierigkeiten hatten, sich zu bestimmten Themen zu äußern und prophetisch zu sein wie vor der Unabhängigkeit. Aber das ist ein Phänomen, das man in vielen Ländern und in vielen Kirchen findet. Wie prophetisch ist die Kirche in Deutschland heute, wenn man sie an der Bekennenden Kirche und an dem Barmer Bekenntnis misst. Es gibt viele Probleme, bei denen sich die Kirche in Deutschland als prophetisch erweisen könnte.
Aber lasst uns bescheiden und demütig bleiben, wenn es darum geht. Ratschläge auszuteilen. Ich werde nicht nach Deutschland gehen und Ratschläge an die Kirche in Deutschland austeilen. Ich würde aufmerksam hören und mich beraten lassen. Was Namibia betrifft, sind wir vielleicht prophetischer als die Kirchen in Deutschland.

Hat die EKD-Delegation über ihre eigene prophetische und spirituelle Rolle gesprochen und über ihre eigenen Schwierigkeiten?

Nein, nicht während unseres Treffens. Aber das ist nichts Neues. Als ich Deutschland besucht habe während vieler Jahre, war das immer ein schwieriger Punkt. Sie pflegen dort nicht so schnell von ihren Schwierigkeiten zu sprechen. Es war für mich bewegend, als ich vor einigen Jahren in Norwegen war. Die Norweger sind offener im Sprechen über ihre Probleme. Das ist ein Phänomen: Die Leute hören gern etwas von den Mühen und Tränen der Schwachen. Aber die Starken dürfen nicht ihre Schwächen zeigen. Das sollte in der Kirche Christi nicht so sein. Wir sind doch wirklich Brüder und Schwestern.

 

Dieses Interview führten Dr. Markus Braun und Klaus Matthes am 3. Oktober 2008 in Windhoek

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