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Zur Reform des Theologiestudiums – die neue Rahmenordnung

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Patrik Mähling

Zur Reform des Theologiestudiums – die neue Rahmenordnung

Bologna erreicht nun auch die Theologie

Der evangelisch-theologische Fakultätentag hat am 11. Oktober 2008 eine „Rahmenordnung für einen durch Module strukturierten Studiengang Pfarramt/Diplom“ beschlossen, die zum 1. Oktober 2009 in Kraft tritt. Diese beinhaltet, dass das Theologiestudium, angelegt auf 10 bis 12 Semester, einer Modularisierung unterzogen wird.

Die Struktur Grund- und Hauptstudium bleibt erhalten, ein konsekutiver d.h. Bachelor/Master-Studiengang Theologie ist nicht vorgesehen (warum eigentlich nicht?). Im Grundstudium sollen dabei die Voraussetzungen für ein Hauptstudium geliefert werden, in dem die Studierenden „selbständig exemplarische Schwerpunkte bilden können.“ Ein Hochschulwechsel soll den Studierenden sowohl im Grundstudium, als auch im Hauptstudium jederzeit möglich sein.

Das Grundstudium, an dessen Ende weiterhin die Zwischenprüfung steht, besteht aus Basismodulen aller Disziplinen und den Sprachmodulen, einem Grundlagenmodul (Propaedeuticum) sowie einem interdisziplinärem Basismodul. Analog wird das Hauptstudium durch entsprechende Aufbaumodule strukturiert. Zusätzlich wird es ein Modul Philosophie und ein Modul Religionswissenschaft und Missionswissenschaft bzw. Interkulturelle Theologie geben.

Probleme und fromme Wünsche

Den Landeskirchen eröffnet die neue Rahmenordnung die Möglichkeit, ihre Prüfungshoheit ganz oder teilweise an die Fakultäten oder Fachbereiche zu übertragen. Es bleibt zu hoffen, dass an dieser Stelle auch Entscheidendes in diese Richtung geschieht. Geschieht das nicht, erhalten wir zwar ein strukturiertes Studium, das aber noch mehr Prüfungsleistungen zusätzlich zum Examen mit sich bringt. Die Folge könnte dann eine Verlängerung des Studiums sein. Denn was ist der Sinn von Modulen, wenn an deren Ende nicht irgendwie geartete Modulprüfungen stehen?
Das Studium der Theologie wird durch diese Umstellung auf einen durch Module strukturierten Studiengang einer lange überfälligen Strukturreform unterzogen. Das heißt aber auch, dass Lehrstoff und Lerninhalte stärker definiert werden müssen – gerade im Blick auf das Grundstudium. Die Rahmenordnung leistet, dass das Theologiestudium zumindest quantitativ durch die Festsetzung von Leistungspunkten und zugehörigem Arbeitsaufwand eine feste Struktur erhält. Die Schaffung von interdisziplinären Modulen institutionalisiert lange Gefordertes im Curriculum des Studiums.
Wünschenswert wäre, dass die Landeskirchen von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihre Prüfungshoheit (oder zumindest Teile davon) an die Fakultäten abzugeben bzw. das Examen an die neue Studiensituation sinnvoll anzupassen. So könnte mittelfristig eine Zwischenprüfung entstehen, die dann auch notenrelevant für das Examen wäre. Grundwissen könnte über entsprechende Modulprüfungen abgeprüft werden, die Noten könnten Examensbestandteile werden und dieses dann entsprechend entlastet werden. Sinn bekommt die Modularisierung des Studiums jedenfalls erst dann, wenn sich auch die landeskirchlichen Examina ändern.
Einschneidendes hätte man sich über die Modularisierung hinaus zum Thema Sprachen gewünscht. Die Kenntnis des Griechischen und Hebräischen ist konstitutiv für die protestantische Theologie. Aber in welchem Umfang? Die neue Rahmenordnung ändert hier nichts, gibt aber hoffentlich Anlass, überkommene Ansprüche einmal auf ihre Praktikabilität und Relevanz hin zu überprüfen, auch mit Blick auf das Latinum.

Alter Wein in neue Schläuche?

In der Modularisierung des Theologiestudiums sehe ich vor allem eine inhaltliche Chance für das Grundstudium. Es bleibt zu hoffen, dass es für die kommenden Studierendengenerationen nicht nur alten Wein in neuen Schläuchen gibt, und dass das Exa­men in wesentlichen Teilen in das Studium integriert wird. Leider wird man mit Blick auf die Landeskirchen eher skeptisch sein, ob dieser Reformwillen wirklich besteht. Auf grundsätzliche Ablehnung stößt in der rheinischen Kirche der Gedanke eines konsekutiven Studiengangs und auch in der Sprachenfrage scheint weder Problembewusstsein vorhanden noch wird Handlungsbedarf gesehen. (Vgl. Lehnert Interview vom 12.10.2008 zu hören unter: http://www.ekir.de/ekir/33776_51379.php.)
Ob nun ein durch Module strukturierter Studiengang wirklich die Eigeninitiative und die Entdeckerfreude am Gegenstand des Studiums negativ beeinflusst, so ein oft genannter Vorwurf, bleibt zu diskutieren. Richtig ist, dass die neue Struktur die Qualität des Studiums verändern wird. Will man negativ argumentieren, propagiert man den/die StandardtheologIn, den/die ein solches Studium vermeintlich produziert. Aber Individualität und eigene Interessen werden ja nicht grundsätzlich unterbunden. Vor allem wird die Schwerpunktbildung durch den Wahlpflichtbereich institutionalisiert. Auch ist das Postulat der vergangenen völligen Freiheit des Studiums wenig geeignet, hier als Gegenmodell zu fungieren. So konnte man bis zum Examen gelangen, ohne jemals eine Prüfung gemacht zu haben, und im Prinzip auch ohne jemals eine Hausarbeit geschrieben zu haben. Im schlimmsten Fall konnte man ein Theologiestudium absolvieren, ohne jemals bestimmten grundlegenden theologischen Inhalten im universitären Alltag begegnet zu sein. Was für einige bereichernd und für ihre theologische Existenz prägend war, führte aber bei vielen anderen in der Vergangenheit auch zum Scheitern. Der Vollzug des neu strukturierten Studiums wird erweisen, ob an dessen Ende theologisch breit gebildete und interessierte Persönlichkeiten stehen, bei denen die Gemeinden in guten Händen sind. Die vorherigen Studienmodelle haben viel gute und leider auch nicht zu knapp weniger gute TheologInnen hervorgebracht. Man sollte dem neuen Modell also eine unvoreingenommene Chance geben. Alles Weitere wird die Zukunft zeigen, solange der Beruf PfarrerIn in der rheinischen Kirche noch eine Zukunft hat. ☐

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