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Coca-Cola-Boykott

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Coca-Cola-Boykott

Beschluss der Kreissynode Oberhausen vom 6./7. Juni 2008

Die Kreissynode beschließt:
Die Kreissynode nimmt mit Sorge zur Kenntnis, dass der Coca-Cola Konzern weltweit Menschenrechtsverletzungen zumindest in Kauf nimmt, um die führende Position als multinationaler Getränkekonzern halten und weiter ausbauen zu können. Bis heute werden die Rechte auf Gewerkschafts-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit in „Abfüllanlagen“ z.B. in Kolumbien missachtet. Die Rechte der Mitarbeitenden werden systematisch ausgehöhlt.

Gewerkschaften werden zerschlagen, um Umstrukturierungen durchzusetzen. In den letzten Jahren sind mindestens acht Gewerkschaftsmitglieder aus Abfüllbetrieben von Paramilitärs zum Teil auf dem Betriebsgelände ermordet worden. Die kolumbianische Lebensmittel-Gewerkschaft SINAILTRAIN wirft dem Coca-Cola-Konzern vor, an der Ermordung der Gewerkschaftler mitschuldig zu sein. Der Coca-Cola-Konzern hat sich jahrelang gegen eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge gewehrt. Bis heute hat der Konzern nichts zur Aufklärung der Ermordungen beigetragen und keine Maßnahmen ergriffen, einen ausreichenden Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewährleisten.

In Indien sorgt Coca-Cola durch Tiefbohrungen für die Absenkung des Grundwasserspiegels und entzieht vielen Bäuerinnen und Bauern die Lebensgrundlage. Auch in Zeiten der Wasserknappheit soll Coca-Cola etwa 600.000 Liter Grundwasser am Tag gefördert haben. Bernhard Wiesmeier hat für „Brot für die Welt“ den Ort Plachimada mit einem internationalen Untersuchungsteam besucht und die Behauptungen der Kritiker bestätigt gefunden. „Plachimada gilt mittlerweile als Symbol für den Ausverkauf der Wasservorräte. Nicht nur national, auch international wurde dem Fall große Beachtung geschenkt. Das hat dazu geführt, dass der Gemeinderat von Plachimada lieber heute als morgen die Fabrik schließen würde …“
Die Kreissynode schließt sich deshalb der vom BDKJ, von ver.di und anderen initiierten Bewegung an und ruft ebenfalls zum Boykott von Produkten des Coca-Cola-Konzerns auf.
Der Kirchenkreis Oberhausen verpflichtet sich dazu, ab sofort auf allen Veranstaltungen des Kirchenkreises und aller ihm angeschlossenen Einrichtungen keine Produkte des Coca-Cola-Konzerns mehr anzubieten.
Die Gemeinden der Evangelischen Kirche in Oberhausen werden gebeten, sich dieser Selbstverpflichtung anzuschließen, bis auf weiteres den Kauf und Verkauf von Produkten des Coca-Cola-Konzerns einzustellen und ihre Gemeindeglieder über die Gründe zu informieren.
Die Kreissynode bittet die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, das Thema im Rahmen des Prozesses „Wirtschaften für das Leben“ zu bearbeiten, sich den Boykott von Produkten des Coca-Cola-Konzerns zu eigen zu machen und die Kirchenkreise und Gemeinden über die Gründe zu informieren.
Der Kreissynodalvorstand wird in Zusammenarbeit mit dem Ausschuss „Kirchlicher Entwicklungsdienst und Ökumene“ beauftragt, die gesellschaftliche Öffentlichkeit über die Gründe der Selbstverpflichtung zu informieren und diese aufzufordern, sich dem Boykott von Produkten des Coca-Cola-Konzerns anzuschließen.
Der Boykott-Beschluss soll auf der Herbstsynode 2010 überprüft werden.
Begründung:
Die Kreissynode Oberhausen hat am 17.11.2007 die Erklärung „Konkrete Schritte auf dem Weg zur Gerechtigkeit – Wie leben wir unseren Glauben im Kontext der Globalisierung?“ beschlossen. Unter Punkt 6 „Verpflichtung zur Kritik an einer ungerechten Politik“ wird der Ausschuss „Kirchlicher Entwicklungsdienst und Ökumene“ beauftragt, „die Gemeinden und den Kirchenkreis über die international vernetzte Coca-Cola-Kampagne zu informieren und die Notwendigkeit eines Boykotts des Coca-Cola-Konzerns zu prüfen.“
Der vorliegende Antrag ist das Ergebnis dieser Prüfung. Wir bitten die Synode, ihm als einer notwendigen Konkretisierung der einmütig beschlossenen Erklärung zuzustimmen.
Am Dienstag, 13.05.2008 fand in der Pauluskirche eine Informationsveranstaltung „Harte Fakten zu soften Drinks – Was hat Coca Cola mit Gewerkschaftsmorden und der Verletzung von Wasser-Rechten zu tun?“ statt, zu der alle Mitglieder der Synode und alle Gemeinden eingeladen waren. Der freie Journalist und Beauftragte für das Sonderprogramm „Kolumbien“ von „Brot für die Welt“, Jochen Schüller, bestätigte uneingeschränkt die Notwendigkeit eines Boykotts von Produkten des Coca-Cola-Konzerns. Nach wie vor könne Coca-Cola die gegen den Konzern erhobenen Vorwürfe nicht entkräften.
Der BDKJ hat nach intensivem Dialog mit Partnerorganisationen in Kolumbien auf der Hauptversammlung vom 24. – 27.04.2008 beschlossen, den Boykott von Coca-Cola-Produkten fortzuführen und ruft seine Mitglieds- und Diözesanverbände und alle Mitglieder verstärkt dazu auf, „ihre Macht und Verantwortung als Konsumentinnen und Konsumenten wahrzunehmen.“ Als Alternativen benennt der Verband „Waren aus regionaler, klein- und mittelständischer Produktion sowie Importprodukte aus dem Fairen Handel.“
Weiterhin gilt das Ziel, durch den Boykott und Gespräche mit der Coca-Cola GmbH Deutschland, gezielt Einfluss auf die Unternehmenspolitik zu nehmen und den Konzern aufzufordern, seine ethische Verantwortung wahrzunehmen.
Der Journalist Frank Kürschner-Pelkmann resümiert: „Coca-Cola ist zu einem Symbol der aggressiven Globalisierung geworden – und das trägt ihm Kritik ein, und dies zu Recht.“
Der Ausschuss „Kirchlicher Entwicklungsdienst und Ökumene“ schlägt vor, den Boykottaufruf 2010 zu überprüfen. Gleiches hat die BDKJ-Hauptversammlung beschlossen. Es ist sinnvoll, auch an dieser Stelle vernetzt zu handeln. ☐

Coca-Cola. Happiness in a bottle? Informationen zum kritischen Umgang mit Coca-Cola-Produkten
Herausgeber:
Bundesvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)
Carl-Mosterts-Platz 1
40477 Düsseldorf
Düsseldorf 2007

Brot für die Welt – Sonderprogramm Kolumbien
Jochen Schüller, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit zu Kolumbien
Stafflenbergstraße 76
70184 Stuttgart

Weitere Infos:
www.kolumbienkampagne.de

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