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Alle Energie für das System

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Wolfgang Wewer

Alle Energie für das System

Die tödliche Logik unseres Wirtschaftens

Unter diesem Thema trafen sich am 12. und 13.9.08 die am Ökumenischen Prozess beteiligten Gruppen – eine davon die Solidarische Kirche – zu ihrer Regionalkonferenz in Neuwied.
„Wir können nicht sitzen bleiben und warten, bis eine große Welle unser Land heimsucht.

Wir müssen jetzt über das Thema reden, weil viele Fragen beantwortet werden müssen!“ Mit diesen Worten machte Dr. Fei Tevi, der Gast von den Fidschi-Inseln den über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutlich, dass es beim Thema Klimapolitik wirklich 5 vor 12 ist. Nasisa D‘Sousa aus Indien meinte das Gleiche, wenn sie darauf hin wies, dass bei steigenden Temperaturen die Getreideproduktion für die 600 Millionen Armen Indiens in Gefahr ist.

Eine enorme Vielfalt von Beiträgen und Fachleuten von Brot für die Welt bis „Rettet den Regenwald“ machten klar: Es ist ernst. Nützlichkeitsdenken und wachsender Wohlstand helfen nicht, die gesamte Gesellschaft muss sich ändern. Unser Wirtschaftssystem ist schuld an der gegenwärtigen Situation. Die Konferenz von Bali hat die richtigen Ziele gesetzt, aber ihre Teilnehmer unternehmen nichts, um sie umzusetzen. Der Wohlstand in den reichen Ländern muss sinken, denn in den Ländern des Südens muss er steigen. Fei Tevi und Nasisa D‘Sousa sagten aber auch: Wir wollen nicht so leben wie die Amerikaner und die Deutschen.
Einigkeit bestand auch darin, dass eine weitere Vernetzung und Zusammenarbeit über den kirchlichen Raum hinaus nötig ist, denn es sind viele unterwegs zu einer gerechteren und ökologischen Welt.
Auch die Gegner wurden beim Namen genannt: Ulrich Duchrow bezeichnete die EKD-Denkschrift „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“, 2008, als „Irrlehre“, weil sie unsere Form des Wirtschaftens im Prinzip in Ordnung findet. Duchrow sah da einen Gegensatz zur Barmer Theologischen Erklärung und kündigte eine theologische Auseinandersetzung in einem Textband an.
Besonders in der AG „Kreislaufwirtschaft und Verbrennungswahnsinn“ hatten viele Teilnehmende den Eindruck, wirklich Neues zu lernen: Dass es im Bereich Recycling Möglichkeiten gibt, die eine viel weiter gehende Verwertung gestatten als die derzeit praktizierte Mülltrennung, war den meisten nicht bewusst (Siehe dazu die nächste Seite mit den Thesen der Arbeitsgruppe).
Deutlich wurde aber auch: Der Weg ist noch weit. Es gab Gespräche mit Gewerkschaftern aus der Automobilindustrie. Die waren sich mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einig darin, dass Autofahren eins der größten ökologischen Probleme ist, aber sie sahen natürlich auch die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gefahr. Wie es weiter gehen könnte, wurde auch in der entsprechenden Arbeitsgruppe nur in Ansätzen deutlich.
Das Thema Fliegen sprach man lieber gar nicht erst an. Die meisten veranstaltenden Gruppen arbeiten schließlich weltweit zusammen, Reisen ist eine ihrer Grundlagen.
Die tödliche Logik unseres Wirtschaftens wurde jedem klar, der das bis jetzt noch nicht wusste. Da hatte das Konferenzthema nicht zu viel versprochen. Aber damit anfangen, etwas dagegen zu tun wollten nur wenige der Teilnehmenden. Z.B. hätte man die Fahrtkostenerstattung (Siehe dazu die übernächste Seite: „Alternative Fahrtkostenerstattung“) ändern können, um an einem Beispiel zeigen: So könnte es gehen, andere könnten folgen, so könnte man mit weniger Energie, fleischarmer Ernährung oder einem Verkehr weitgehend ohne Autos eine zukunftsfähige Gesellschaft gestalten, und das bedeutet keineswegs ein freudloses Leben.
Diese Chance wurde vertan. Schade.
Vielleicht helfen ja die auf der Tagung geknüpften Kontakte, dass so ein Anfang anderswo gemacht wird. ☐

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