TRANSPARENTonline

für die kritische Masse in der Rheinischen Kirche

Soziale Dienste nerven Wissenschaftler

Bewertung: 1 / 5

Stern aktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Gesundheitswesen

Soziale Dienste nerven Wissenschaftler

Von Katharina Sperber

Viel mehr Arbeitsplätze als heute können im Gesundheitswesen und in der Alten- und Kinderbetreuung entstehen. In einer Gesellschaft, in der künftig mehr Alte als Junge leben werden, berge dieser „beschäftigungsintensive Dienstleistungssektor“ ein großes Potenzial, schreiben sieben Wirtschaftsprofessoren in der „Petersberger Erklärung“, die in Bonn veröffentlicht wurde.

Allerdings sei der Markt der freien Wohlfahrtspflege heute noch zu stark reguliert, klagen die Wissenschaftler in ihren „Anstößen für eine zukunftsgerichteten Arbeitsmarktpolitik“. Private und gemeinnützige Träger stünden in einer „ungleichen Konkurrenz“.
Diese müsste „aufgebrochen werden“, sagten Klaus Zimmermann und Gert Wagner vom DIW und ihre Kollegen von Berliner, Bonner und Linzer Forschungseinrichtungen.
Vor allem das Privileg der Gemeinnützigen gehöre auf den Prüfstand. Aus „Fairnessgründen“ müsste die Arbeit in den sozialen Diensten „grundsätzlich marktfähig“ gemacht werden.
Kritisch gehen die Professoren mit dem bestehenden Steuer- und Transfersystem ins Gericht: Geringqualifizierte müssten so hohe Abgaben zahlen, dass sich reguläre Arbeit für sie kaum lohne. Verheiratete Frauen stünden grundsätzlich schlecht, weil die steuerliche Grenzbelastung ihres Einkommens „extrem hoch“ sei.
Die Wissenschaftler fordern, dass versicherungsfremde Leistungen nicht mehr von der Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung, sondern aus dem Steueraufkommen bezahlt werden sollten.

Frankfurter Rundschau, 02.12.2008

 

Leserbrief

Dass sich regelmäßig marktverliebte Ökonomen zu Wort melden und alles als Fremdkörper ausmerzen wollen, was nicht Markt ist, ist nicht neu, sondern eher von gestern. Denn manche von ihnen haben noch nicht begriffen, dass die Weltfinanzkrise auch eine Krise des Wirtschaftsliberalismus ist. Jetzt haben sie abermals Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Diakonie als Bremser gegen die Vermarktlichung sozialer Dienste ausgemacht. Sie fordern, dass das Gemeinnützigkeitsprinzip auf den Prüfstand soll und alle sozialen Dienste grundsätzlich marktfähig sein sollten. Pikant ist daran, dass zu den Unterzeichnern dieses Aufrufs auch Prof. Dr. Gert Wagner, der Vorsitzende der Kammer der Evangelischen Kirche für soziale Ordnung, gehört. Immerhin gehört das Diakonische Werk der EKD zu den großen Wohlfahrtsverbänden mit mehr als 450.000 Beschäftigten und diesem Diakonischen Werk der EKD möchte der Vorsitzende der Kammer der EKD für Soziale Ordnung die „Geschäftsgrundlage“ entziehen! Die Kammer der EKD, deren Vorsitzender Prof. Wagner ist, hatte vor einiger Zeit bereits mit ihrer Denkschrift zum unternehmerischen Handeln wegen der Anpassung an den neoliberalen Mainstream für heftigen Widerspruch geführt.

Apl. Prof. Dr. Franz Segbers, Kelkheim

 

Empfehlung

Benutzer-Anmeldung