TRANSPARENTonline

für die kritische Masse in der Rheinischen Kirche

Nr. 77

editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

im Zentrum dieses Heftes – Transparent-extra – steht „Rheinisches“. Natürlich wissen wir, dass Paul Tillich kein Rheinländer ist und im Rheinland nicht gearbeitet hat. Aber er wird im Rheinland gelesen. In Unterbarmen-Süd hat ein Pfarrer mit seiner Gemeinde 60 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die Rundfunkansprachen Paul Tillichs entdeckt, die er von 1942 bis 1944 an „seine deutschen Freunde“ aus dem Exil in den USA gehalten hat. So kam es nicht nur zu einer bemerkenswerten Gemeindeveranstaltung in der Lichtenplatzer Kapelle, sondern auch zu diesem Transparent-extra. 

Das Heft startet auch mit „Rheinischem“. Die Verleihung des Peter Beier Preises an Bundesministerin Heidemarie Wiezcorek-Zeul und Bischof Zephania Kameeta durfte von uns nicht übergangen werden, weil der Kampf gegen den Rassismus und die Solidarität mit dem namibischen Volk und seinen schwarzen Kirchen von uns von Anfang an begleitet wurde. Dass Transparent die beachtenswerte Laudatio des Ökumenedezernenten, OKR Wilfried Neusel, im vollen Wortlaut abdruckt, ist ein Novum. Seine Vorgänger im Amt wurden von Transparent niemals gedruckt, sondern heftig kritisiert. Wir versichern, dass dieser Abdruck nicht den Einstieg von Transparent als Hauspostille von Kirchenleitung und Landeskirchenamt markiert.

„Rheinisches“ kommt auch in „Doppelte Standards bei Völkermord?!“ zur Sprache. Unsere Kritik richtet sich zuerst an die Evangelische Kirche in Deutschland mit seinem Rat und dessen Vorsitzendem. Aber der Inhalt – wie gehen Kirchen mit dem Genozid von 1904‑1907 in Namibia um? – bleibt gerade im Rheinland ständige Aufgabe, zumal die Evangelische Kirche im Rheinland es nicht geschafft hat, dass die EKD-Synode im Jahr 2004 sich ernsthaft ihrer Vergangenheit und Verstrickung in dieser Frage gestellt hat. Ob und wie EKiR, Vereinte Evangelische Mission (VEM) und EKD sich an die Arbeit machen, werden wir kritisch beobachten. 

Die Solidarische Kirche im „Rheinland“ bietet zwei Beiträge zur Globalisierung an – aus afrikanischer und aus asiatischer Sicht. Einige denken, zum weltweiten neoliberalen Kapitalismus ist alles gesagt, andere vertreten beharrlich, dazu kann nicht genug und nicht oft genug gesprochen und geschrieben werden. Dass Globalisierung auch uns im Rheinland betrifft und angeht, können RheinländerInnen von den Betroffenen erneut wahrnehmen.

Unsere französischen Nachbarn haben „Nein“ gesagt zur vorgelegten Europäischen Verfassung. Vor einem Jahr in Transparent Nr. 73/2004 haben wir deutsche Stimmen gegen den Verfassungsentwurf veröffentlicht. Müßig zu fragen, wie die kritische Masse in der Rheinischen Kirche entschieden hätte, wenn sie denn Gelegenheit dazu gehabt hätte. Aber nach dem NON in Frankreich und den Niederlanden sind die Karten neu gemischt und Einmischung erneut gefragt. 

Wir wünschen allen eine gute Sommerzeit und freuen uns, wenn die „kritische Masse in der Rheinischen Kirche“ das neue Heft nicht mit rheinischer Fröhlichkeit überliest, sondern überdenkt und sich auseinandersetzt – auch mit der Redaktion von Transparent.

Es grüßt
die Redaktion
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Bischof Zephania Kameeta erhielt den Peter-Beier-Preis

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Bischof Zephania Kameeta erhielt den Peter-Beier-Preis

Nach der Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule Wuppertal am 22. November 2004 ehrte das evangelische Rheinland ein halbes Jahr später erneut den Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia. Er erhielt am 24. Mai 2005 gemeinsam mit Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul den Peter-Beier-Preis. Mit diesem Preis würdigt die Evangelische im Rheinland das Verdienst der beiden um die Aussöhnung zwischen Deutschland und Namibia. 
Die Laudatio auf Bischof Kameeta hielt Oberkirchenrat Wilfried Neusel. Sie beschreibt einen frommen, politischen Christenmenschen, der auch im Rheinland vielen engagierten Menschen in mancherlei Hinsicht Wegweiser gewesen ist. Wilfried Neusel führte aus:

Verehrte Frau Bundesministerin, sehr geschätzter Bischof, sehr geehrte Damen und Herren, lieber Zephania!

Wären wir jetzt in Windhoek, am Dienst­ort Bischof Kameetas, würde vielleicht in afrikanischer Tradition ein Preislied auf den Preisträger erwartet. Ich hoffe, Du, lieber Zephania, und Sie alle nehmen auch mit einer prosaischen Laudatio vorlieb. Sie kommt nicht weniger von Herzen.
Sie haben es in der Einladung zum Festakt gelesen: der Peter-Beier-Preis wird Personen verliehen, die „in einer konfliktreichen Situation, die zur Gewalt hin zu eskalieren droht, unter persönlichem Einsatz zur Entspannung und Versachlichung helfen.“
Dieses Kriterium ist angesichts der Umstände, in denen Bischof Dr. Kameeta die meiste Zeit seines bisherigen Lebens zubringen musste, und angesichts seines lebenslangen Kampfes für Gerechtigkeit und Menschenwürde der sogenannten kleinen Leute eine offensichtliche Untertreibung. In Zephania Kameetas Leben reihte sich eine konfliktreiche Situation an die andere, so dass oft nur noch der Seufzer blieb: „Why, oh Lord?“ – Warum, Gott? Ich muss genauer sagen: Das Leben Zephania Kameetas und der meisten seiner Landsleute in Namibia vor der Unabhängigkeit im Jahr 1990 war ein gewaltsamer und äußerst konfliktreicher Sturz in ein großes Gefängnis, in dem weiße Farmer z.B. auf der Suche nach Kollegen einen schwarzen Arbeiter mit den Worten ansprechen konnten: „Hallo Nichtmensch, wo sind die Menschen?“ Wir wissen aus vielen Zeugnissen von in Konzentrationslagern Inhaftierten, dass mit der Zeit um des schieren Überlebens willen eine totale Identifikation mit den Peinigern aufkommen kann, eine Identifikation nicht nur mit ihrer Machtstellung, sondern auch mit ihrer ideologischen Position. Es kann so weit kommen, dass ein Mensch sich selbst nicht mehr als einen solchen achtet und als solcher spricht. Der Baas wird zum Zentrum seiner Existenz, seines Tagesablaufs, seiner Wünsche, seiner Träume. Weniger theatralisch, aber viel grausamer stellt sich dann die Frage Hamlets nach Sein oder Nichtsein. Einen größeren Konflikt gibt es nicht.
Du hast, lieber Zephania, schon auf der Oberschule lernen müssen, eine subversive Wahrheit, die für Dich immer aus der biblischen Botschaft vom befreienden Gott Israels und der einen heiligen und universalen Kirche Jesu Christi genährt und verteidigt wurde, und zugleich eine menschenverachtende Ideologie in Dich auf zu nehmen. Es muss schrecklich sein, schon als Jugendlicher jahrelang in zwei Welten leben zu müssen und ein Geheimnis in sich zu tragen, das nur im Modus der Hoffnung gelebt werden kann. Auch die aus der Rheinischen Mission hervor gegangene Evangelisch Lutherische Kirche in Südwestafrika, deren Bischof Du nun bist, war ja bis in die 70er Jahre hinein kein „liberated pocket”, in dem Du Deine Überzeugungen und Träume ungehindert hättest leben können. Umso mehr loben wir mit Dir alle dem Evangelium treuen Weggefährten und Lehrer, die Dir mitten im Unglück den Horizont eines Lebens in Fülle eröffnet haben. 
Es hat mich zutiefst bewegt, dass Du im Zentrum der Unterdrückung, während einer Deiner Inhaftierungen, die befreiende Gegenwart Gottes so nah wie nie zuvor gespürt hast. Du studiertest nicht nur Gottes Wort, Du machtest mit Gott eine Erfahrung. Ganz fromm und gar nicht, wie man sich einen Befreiungstheologen vorstellt, hast Du im Brief an Schwestern und Brüder nach der Entlassung aus der Haft geschrieben: „In diesen Tagen wurde Jesus neu mein Heiland.“ Und der hat schon immer durch seine Heilungen ausgegrenzte Menschen zu Subjekten ihrer Geschichte gemacht und damit einen ganz realen Ausblick auf eine neue Welt geschenkt. Also loben wir Ihn mit Dir heute am allermeisten, weil er schon in einer kranken Situation Deine tiefen Wunden geheilt hat und Dich zum Zeichen der Freiheit machte. 
„Herr, du hast deinen Namen sehr herrlich in der Welt gemacht; denn als die Schwachen kamen, hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad erzeiget; nun wie vergelt ich‘s dir? Ach, bleibe mir geneiget, so will ich für und für den Kelch des Heils erheben und preisen weit und breit dich hier, mein Gott im Leben und dort in Ewigkeit.“ (EG 323, 3)
Die Frage Theodor Adornos, ob es in pervertierten gesellschaftlichen Umständen gelungenes Leben geben könne, wage ich nicht generell mit Ja zu beantworten. Ich bin aber sehr glücklich und hoffe dies mit Ihnen allen teilen zu können, dass es Lebenszeugnisse wie das Bischof Kameetas gibt, die unerwartet den Pessimismus Adornos relativieren. Die Freiheit eines Christenmenschen, von der Martin Luther viel zu singen und zu sagen wusste, bringt dann nicht nur den festen Willen mit sich, niemand untertan zu sein, sondern auch in dieser Freiheit zum Diener derer zu werden, die Notdurft erleiden.
Das Geheimnis der Art und Weise, wie Bischof Kameeta seit den 70er Jahren in einem Gewaltregime unter persönlichem Einsatz zur Entspannung und Versachlichung beitrug und noch heute in einer ganz anderen gesellschaftlichen Situation beiträgt, ist so weit ich es beurteilen kann, diese Erfahrung von Heilung und Befreiung. Ein freier Mensch ist ansteckend. Ein geheilter Mensch kann die bedrängende Erfahrung von Krankheit, Not und Gewalt an sich heranlassen. Er findet die Sprache, die sich in der Öffentlichkeit widerständig artikuliert und im intimen Raum der Seelsorge tröstend.
Und findet auch den Blick und das Gehör für das, was inmitten der Lüge und der Gewalt schön, wahr und gut ist. Bischof Kameeta überraschte auch vor der Unabhängigkeit Namibias mit einem köstlichen Humor und unterhaltsamen Geschichten z.B. über Katzen. 
„Manchmal, wenn wir in diesem Lande (Namibia, W.N.) über Versöhnung sprechen, scheint es mir, dass wir lediglich an die Versöhnung zwischen zwei Gruppen von Menschen denken, die Weißen und die Schwarzen, oder auch Schwarze und Schwarze. Aber der erste Schritt ist die Versöhnung mit mir selbst und mit dem, was in Namibia geschehen ist.“ (aus Kameeta, Predigt anlässlich der Gedächtnisfeier der Toten von Cassinga über Hebr. 11)
Die Befreiung vom Gift der täglichen Kränkungen hatte zur Folge, dass Bischof Kameeta ohne Larmoyanz in Konfliktsituationen hinein ging und geht. Das prophetische Eintreten für ein Ende des Apartheidregimes war immer schon begleitet von einer Vision dessen, was danach zu tun ist. Es erschöpfte sich nicht in der Negation. Damit einher geht das Gespür des Bischofs für falsche Töne aus den eigenen Reihen, sei es in der Kirche oder in der Politik, und der Blick für humane Verhaltensweisen von Menschen, die im Apparat der Apartheid dienten. 
Wie kaum ein anderer hat Bischof Kameeta Zeit seines Diensts als Pfarrer und Politiker Machtanmaßung, Tribalismus, Paternalismus und Korruption unter seinen Mitstreitern und Mitstreiterinnen (bei letzteren seltener nötig) benannt. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die Ansprache bei der Beerdigung der Parlamentsabgeordneten Kandanga-Hilukilwa in Anwesenheit der höchsten Repräsentanten der namibischen Regierungspartei SWAPO. „Korruption und Tribalismus unterminieren alles, wofür Helden und Heldinnen des Befreiungskampfs … gekämpft haben. Was wir im Augenblick tun, ist das genaue Gegenteil von dem, was wir erreichen wollten.“ Trotz beißender Reaktionen aus den Reihen der Angesprochenen konnte in der folgenden heftigen öffentlichen Auseinandersetzung niemand die persönliche Integrität und die Autorität Bischof Kameetas unterminieren. Eine Ministerin sagte mir vor 4 Jahren in einem Gespräch: „Ich habe Kameeta immer bewundert, weil er bei allen Auseinandersetzungen in der Partei nie opportunistisch geredet und gehandelt hat.“ Dies ist in einer Kultur, in der familiäre und Gruppenbindungen eine große Rolle spielen, ein besonderes Lob.
Wie Hanns Lessing, ein westfälischer Kollege treffend bemerkt, versucht Bischof Kameeta, neben den Diskursen des traditionalistischen Nationalismus und des liberalen Universalismus einen dritten Raum für den öffentlichen Diskurs in Namibia zu erschließen, in der Tradition des Befreiungskampfes. Dieser dritte Raum wird von Dr. Kameeta beharrlich verteidigt; in christlicher Freiheit hält er all denen den Rücken frei, die erst beginnen, für sich zu sprechen und Pläne und Ziele zu entwerfen. Monate und Monate z.B. reiste Dr. Kameeta als stellvertretender Parlamentspräsident von Farm zu Farm, um die Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter zu erkunden und dem Parlament Vorschläge für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu machen. Während seines für das Gesetzgebungsverfahren sehr wichtigen Diensts als Deputy Speaker sorgte er zwischen der 2. und der letzten Lesung der Gesetze nicht nur für die respektvolle und sachliche Auseinandersetzung mit den Interessen der Oppositionsparteien, sondern auch für Versöhnung in seinem unmittelbaren Lebensumfeld im ländlichen Raum Marienthals. 
Bischof Kameeta hielt diesen dritten Raum des öffentlichen Diskurses, nämlich den Raum der immer wieder zu aktualisierenden Befreiungstradition auch durch seine persönliche Lebensführung in der kleinen Kirchengemeinde zu Maltahöhe offen, wo er nach dem Ende seiner politischen Karriere ohne Sekretärin, Fax und Email in unvorstellbar kargen Lebensumständen den Gemeindegliedern Tag und oft auch Nacht diente. Solch eine Lebensführung macht marginalisierten Menschen Mut, sich selbst als Subjekte zu entdecken. 
Ein weiteres Merkmal seines persönlichen Einsatzes zur Entspannung und Versachlichung ist Bischof Kameetas Widerwille gegen double talk, gegen die Kommunikation mit gespaltener Zunge. Als Bischof, als Moderator der Vereinten Evangelischen Mission und Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes und als namibiaweit geachtete Autorität lässt er sich nicht dazu hinreißen, im Zweifelsfall neben der gütigen und linden Sprache die Sprache der Macht zu benutzen, die in einer Kultur des gewichtigen Wortes schnell Existenzen vernichten kann. Dr. Kameetas Bescheidenheit und Geduld sind keine Masche, sondern Ausdruck der Überzeugung, dass Gott allein die Ehre gebührt und Selbstrechtfertigung der Mächtigen Mitmenschen unterdrückt. Sie können sich vorstellen, dass eine solche Haltung von Menschen, die gern einmal den dicken Maxen spielen wollen, als eine höchst ärgerliche Störung empfunden wird. 
Ein geheilter Mensch wie Bischof Kameeta lernt auch, Menschen zu vertrauen, die sich von Feinden oder Gegnern zu Freundinnen und Freunden entwickelt haben. Wir wissen aus der Geschichte des Apostels Paulus, dass das gewöhnlich ein angstbesetztes Unternehmen ist. Bischof Kameeta hat in seinem Dienst den Mut bewiesen, nicht nur nach manchen schmerzlichen Auseinandersetzungen mit unserer Kirche und der Rechtsnachfolgerin der Rheinischen Missionsgesellschaft, der Vereinten Evangelischen Mission, Worte der Versöhnung zu finden, sondern auch Mitverantwortung in der Gestaltung einer versöhnten gemeinsamen Zukunft zu übernehmen.
Vom prophetischen Kritiker der Rheinischen Mission zum Moderator der VEM – was für ein Schritt! 
Das zweifellos spektakulärste Zeichen seiner ansteckenden Heilkraft setzte der fromme und darum so überaus politische Bischof Kameeta dadurch, dass er im Zusammenhang der Erinnerung an den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts durch deutsche Kolonialtruppen in Namibia vor 100 Jahren eine Initiative des Bischofs der deutschsprachigen lutherischen Kirche in Namibia aufgriff und mit Reinhard Keding, dem Repräsentanten der vormals apartheidsfrommen Siedlerkirche, gemeinsam ein Komitee leitet, dessen Ziel nicht nur die Aufarbeitung der Vergangenheit und ihrer heute noch fühlbaren Folgen ist, nicht nur der Aufruf zu Umkehr und Reue, sondern vor allem die Heilung der Erinnerungen. Diese Heilung der Erinnerungen soll die Grundlage einer versöhnten Zukunft von Weißen und Schwarzen in Namibia, aber auch der Bevölkerung Deutschlands und Namibias werden. 
Die ängstliche Reaktion unseres Außenministers im Kontext der Erinnerung an den Genozid, durchaus in der Tradition deutscher Außenpolitik nach 1990, die zu der ärgerlichen Sprachregelung führte, man werde nichts sagen, was entschädigungsrelevant wäre, wurde durch die Aktivitäten des Komitees auf die freundlichste und sachlichste Weise überwunden. Im Verein mit Aktivitäten deutscher Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der Befreiungsbewegung und im Aufbau eines freien Namibia nach der Unabhängigkeit, darunter auch die Vereinte Evangelische Mission und unsere Kirche, schuf das „Komitee 1904“ vor allem durch Bischof Kameeta eine Atmosphäre, in der unsere Bundesministerin dann Luft zum Atmen fand und mit ihrer Bitte um Vergebung im August vergangenen Jahres den Weg für eine neue Beziehung zwischen Deutschland und Namibia bereitete. 
Bischof Kameeta ist auch auf diesem konfliktträchtigen, von widersprüchlichen Interessen geprägten Weg in seiner demütigen und sachlichen Haltung von großer Bedeutung. Von Geburt Herero, hat er alle tribalistischen Egoismen vernehmlich in Frage gestellt und auch – wir erinnern uns an die Verhandlungen der internationalen Namibiakonferenz Ende des vergangenen Jahres – partikularistischen Reparationsansprüchen widersprochen. Dies hat unserer Bundesministerin Spielraum gelassen, ihre politische Position behaupten zu können. Bleibt zu hoffen, dass die im Gange befindlichen Verhandlungen über einen „bedeutungsvollen und angemessenen Dialog über Wiedergutmachung“ im Interesse aller vom Genozid betroffenen Menschen und Völker Namibias geführt und zu einem guten Ergebnis gebracht werden.
Lieber Zephania, Du bist ein geheilter Heiler und Tröster. Und wie eine Mutter in ihren Kindern, die Unrecht getan haben, Reue weckt und dann die erlöst Schluchzenden in ihrem Schoß birgt und zu einem neuen Anfang befreit, so bist Du eine Mutter Namibias und Mutter unter den Völkern. Dieses Dein mütterliches Leben hast Du immer in inniger Gemeinschaft mit Deiner Frau geführt, bist von ihrer Liebe und von ihrem Vertrauen genährt worden. Richte ihr bitte unsere allerherzlichsten Grüße aus und unseren Dank für alles was sie mit Dir erduldet und getan hat. Der Peter-Beier-Preis ist auch ihr verliehen. ☐

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Frauen und Kinder tragen die schwerste Last

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Sophia Lizares-Bodegon

Globalisierung

Frauen und Kinder tragen die schwerste Last

Der vorgeschlagene Titel für diesen Vortrag: „Globalisierung aus asiatischer Perspektive“, ist auf eine seltsame Weise passend. Wenn man von Globalisierung spricht, ist man sehr schnell geneigt, von den Kräften zu reden, die zu Homogenität führen. Legt man dieses Prinzip zugrunde, kann es eine asiatische Perspektive der Globalisierung nicht geben, nur ein einziges – globales – Verständnis. Aber Globalisierung ist weitaus komplexer. Daher kann es eine asiatische Perspektive geben, in der Tat gibt es Millionen asiatischer Perspektiven, je nachdem, zu welcher sozialen Gruppe, oder welcher Ethnie jemand gehört, welches Geschlecht er hat, wie alt er ist, welcher Religion er anhängt und wie sein persönlicher Lebenslauf aussieht.
Während der letzten 20 Jahre ist eine Menge zum Thema „Globalisierung und ihre Auswirkungen in Asien“ gesagt worden. Heute möchte ich dieses Thema aus der Perspektive der Bevölkerungsmehrheit betrachten – aus der Sicht der Frauen und Kinder. Anders als die Berichterstatter des Ereignisses vor 2000 Jahren, wo wunderbar Brot und Fisch vermehrt wurde, zählt die Evangelische Kirche im Rheinland Frauen und Kinder mit. Ich wähle meinen Gesichtspunkt aus drei Gründen:
  • Frauen und Kinder sind die verwundbarsten Gruppen.
  • Globalisierung bestraft Fürsorge und andere Dienstleistungen, die von Frauen erbracht werden.
  • Asiatische und deutsche Kirchen werden überprüfen müssen, auf welche Art sie Fürsorge oder diakonische Arbeit im Kontext der Globalisierung leisten wollen.
Wie versprochen wurde, hat die Globali­sierung ökonomisches Wachstum nach Asien gebracht. Von 1990 bis 2003 war das ökonomische Wachstum in Ostasien und in der Pazifikregion das schnellste weltweit. Während dieser Zeit betrug die durchschnittliche ökonomische Wachstumsrate 6,2 %. 2004 betrugen die Wachstumsraten in der Region mehr als sieben Prozent. Man sieht das sehr schnell. In Manila zum Beispiel haben sogar die Haushaltshilfen Handys, und Straßenkehrer besitzen Farbfernseher und DVD-Player. Heutzutage würden nur sehr wenige Leute einen Artikel zum Thema Globalisierung schreiben, ohne vorher einen Blick ins Internet zu werfen. Dies alles steht für einen Wohlstand, der zwanzig Jahre zuvor unvorstellbar gewesen wäre.
Im Vordergrund stehen all diese „neuen, besseren“ Zahlen und neuer technischer „Schnickschnack“. Sieht man unter diese Oberfläche, kann man allerdings Unterschiede zwischen Ländern und zwischen Menschen sehen: arme Frauen und Kinder werden verwundbarer und ihre Kapazität, sich um sich selbst und andere zu kümmern, nimmt ab. Meine kurze Darstellung wird die Auswirkungen von Handelsliberalisierung, Privatisierung, Deregulierung und Militarisierung, die als Mechanismen mit dem Globalisierungsprozess kommen, darstellen.

Liberalisierung

Ein Hauptmerkmal der Globalisierung ist die Liberalisierung der staatlichen Gesetze bezüglich der Finanz- und Handelsmärkte, sowie die Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen. Dies hat zu tiefen Einschnitten in das Leben der Arbeiter und ihrer Familien geführt. In vielen Freihandelszonen bestimmen die Unternehmen das Fortpflanzungsverhalten der dort arbeitenden Frauen, so dass auf keinen Fall Zahlungen für Frauen im Mutterschutz geleistet werden müssen. Alleinstehende Frauen müssen sich Jungfräulichkeitstests unterziehen, um zu beweisen, dass sie unverheiratet sind. Die Frauen, die sich weigern, werden nicht eingestellt. Von verheirateten Frauen, die bereits eingestellt worden sind, wird verlangt, dass sie Geburtenkontrolle bis hin zur Sterilisierung durch Tubenligation praktizieren. In anderen Fällen werden die Frauen, die heiraten oder schwanger werden, hinausgeworfen.
In Ländern wie Bangladesch, Fidschi, Indien, Indonesien, Südkorea, Pakistan, Sri Lanka und den Philippinen sind Freihandelszonen für Gewerkschafter Feindesland. Die üblichste Form der Repressalien gegen Gewerkschafter besteht in der Entlassung. Viele Länder in der asiatischen und Pazifikregion nutzen die reichlich vorhandene und billige Ware Arbeit, um Investoren anzulocken, aber die reichlich vorhandenen Arbeiter machen auch Massenentlassungen möglich. Die Zahl der Arbeiter ohne ordentlichen Arbeitsvertrag steigt, die Möglichkeit und das Recht auf Organisierung oder Beitritt zu einer Gewerkschaft wird damit ausgehöhlt. Unter diesen Arbeitsbedingungen sind Arbeiter „unorganisierbar“. Es gibt keine Rechte für Gewerkschaften, und Repressionen gegenüber Gewerkschaftern werden verstärkt, um den „industriellen Frieden“ zu wahren. Gewalt gegenüber Streikposten und der Mord an streikenden Arbeitern sind ebenfalls nicht ungewöhnlich.
Sub-Unternehmertum und Heimarbeit haben unter den neuen „flexiblen“ Arbeitsbedingungen zugenommen. Dies wird damit gerechtfertigt, dass Frauen so mehr Zeit für Hausarbeit und Familie haben. Auf jeden Fall werden so durch niedrige Löhne und geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad hohe Profite für multinationale Unternehmen sichergestellt.
Der Ökonom David Körten hat in „Globalisation and its impact on human rights” eine Wahrheit zu Papier gebracht, die uns frösteln lässt:
„Heute findet auf den globalen Märkten der Wettbewerb nicht mehr zwischen gigantischen multinationalen Unternehmen statt. Er findet vielmehr zwischen Regierungen statt, die sich in einem Wettbewerb miteinander wieder finden. Es geht darum, wer die billigsten und willfährigsten Arbeiter liefern kann, wer hat die niedrigsten Umwelt-, Gesundheits und Sicherheitsstandards, und wer bietet die niedrigsten Steuern und die höchstentwickelte Infrastruktur.“
Am deutlichsten zeigen der Krieg gegen den Terror und die militärische Globalisierung die Grenzen von Verhandlungen und den Umfang der entstandenen Schäden auf.

Privatisierung

Die Erfahrungen, die verschiedene Organisationen in Verhandlungen mit Unternehmen und Regierungen gemacht haben, lassen ernsthafte Zweifel an den von der Weltbank unterstützten Strategien zur Förderung von Regierungs- und Kundenbeteiligung an der Kontrolle von Basisdienstleistungen, die mit internationalem Kapital privatisiert wurden, aufkommen.
Die Tage, als das Wort Welthandel den globalen Austausch von Gütern bedeutete, sind vorbei. Die Merkmale der Globalisierung sind zum einen schneller Kapitaltransfer und zum anderen Handel mit Dienstleistungen inklusive Tourismus, Elektrizität, Telekommunikation, Bankgeschäfte und – jetzt – Wasser. Die Privatisierung der Wasserversorgung illustriert, wie Kapital in Form ausländischer Anleihen den Zugang zur Grundversorgung und das Leben von Frauen beeinflusst.
In Asien sind Haushalt und Familie sowohl das Reich als auch die Bürde der Frau. Die Wasserversorgung der Familie ist eine der Aufgaben der Frauen und Mädchen, die manchmal acht Stunden am Tag für den Wassertransport brauchen und dabei eine Strecke von 10 bis 15 Kilometern zu bewältigen haben. Die Folge sind nicht nur physische Schäden, sondern die Frauen werden auch vom Schulbesuch abgehalten, sie können kein eigenes Einkommen erwirtschaften, sie haben nicht die Möglichkeit, sich an politischen Aktivitäten oder auch nur an Freizeitangeboten zu beteiligen, Dinge, die ihr Leben verbessern könnten, bleiben ihnen vorenthalten.
Wasser ist mittlerweile ein Gebrauchsartikel geworden, Quelle des Profits für multinationale Unternehmen, die von multinationalen Institutionen wie der Weltbank, der Welthandelsorganisation oder der Europäischen Gemeinschaft unterstützt werden. „Auslandsschulden sind der Schlüsselfaktor, um Regierungen zur Privatisierung der Wasserversorgung zu bewegen.“ Das sagte Malou Tabios-Nuera von der „Schuldenbefreiungs-Koalition“ anlässlich des letzten Alternativen Welt Wasser Forums. Für einige Länder wurde die Privatisierung der Wasserversorgung zur Bedingung für Anleihen bei der Weltbank und beim Weltwährungsfonds gemacht.
Dennoch „gibt es keine Anzeichen dafür, dass dies zu besserem und billigerem Wasser für ärmere Bevölkerungsschichten geführt hätte“, sagt Mary Ann Manahan, eine Forscherin, deren Gebiet die südlichen Länder sind. Privatisierte Wasserversorgung leitet Wasser von den landwirtschaftlichen Gebieten um in die Städte entweder durch Leitungen oder durch Flaschenabfüllung unmittelbar an der Quelle.
In Osaka, Pnom Penh und Penang, ist die Wasserversorgung, die hier durch öffentliche Unternehmen geschieht, wesentlich besser als in Jakarta und Manila, wo die Wasserversorgung privatisiert ist. Der Verkauf der Wasserrechte an Privatunternehmen hat zu steigenden Preisen für die Verbraucher und zu finanziellen Verlusten und Schulden für einige westliche multinationale Unternehmen geführt.
Seit der Privatisierung sind die Wasserpreise in Manila in sechs Jahren um über 700 Prozent gestiegen. Trotz dieses Preisanstiegs ging das Unternehmen beinahe bankrott und musste mit staatlicher Hilfe gerettet werden – selbstverständlich mit Steuergeldern. Außerdem bedroht die Privatisierung der Wasserversorgung das ohnehin fragile Ökosystem des Planeten. Mittlerweile sterben jährlich 2,2 Millionen Menschen, die meisten davon Kinder in Entwicklungsländern, an Krankheiten, die auf den fehlenden Zugang zu sauberem Trinkwasser, auf einen schlechten allgemeinen Gesundheitszustand und auf mangelnde Hygiene zurückzuführen sind. In China, Indonesien und Indien ist die Anzahl der Menschen, die an Durchfallerkrankungen sterben, doppelt so groß wie die Zahl der HIV/AIDS-Toten.
Seit der Annahme des Welthandelsabkommens (GATS) durch die Welthandelsorganisation im Jahr 1994 werden mehr und mehr lebenswichtige Dienstleistungen privatisiert. Das schließt Dienstleistungen ein, die unmittelbar mit Entwicklung zu tun haben: Gesundheitserziehung, sanitäre Einrichtungen und Elektrizität. Die Europäische Gemeinschaft erzwingt neue De-Regulierungen im Dienstleistungsbereich auf Kommunal-, Landes-, und Bundesebene. In diesem Bereich finden sich die Bürger der Entwicklungsländer Seite an Seite mit den Bürgern der Industriestaaten wie Deutschland oder den USA wieder.
Die Frage nach Gen-Patenten und genetisch manipulierten Pflanzen in der Landwirtschaft liegt auf einer Linie mit der nach dem Zugang zu Wasser: „Wem gehört das Leben?“ Die Knappheit an Brennstoff, an Wasser und an Saatgut fordert einen hohen Tribut von den Frauen: ihre Gesundheit. Wir sollten dies vor Augen haben, wenn wir über die Fülle des Lebens sprechen.

Globalisierung, Tourismus, Menschenhandel

„Wie der Terrorismus ist auch der Tourismus in der heutigen Zeit häufig eine Form der Aggression gegenüber ahnungslosen Gesellschaften, Kulturen und der Umwelt. Es gibt Versuche ausländischer Unternehmen, die Andamanen und die Nikobaren zu leasen, eine Ladenkette übernimmt die Lamma-Insel in Hongkong, die touristische Infrastruktur in Burma wird mit Hilfe von Zwangsarbeit und der Arbeit von Gefängnisinsassen ausgebaut, Sex-Tourismus, Kinderpornographie und Menschenhandel werden nicht selten vom Tourismus unterstützt. Zu den dokumentierten Fällen von Kinderprostitution gehören die in der Freihandelszone der Insel Batam (Indonesien), bequeme zwei Stunden Fahrt mit der Fähre von Singapur, einer Hauptstadt des internationalen Kapitals, entfernt.
Ostasien und der pazifische Raum weisen die höchsten Wachstumsraten auch auf dem Gebiet des Tourismus’ auf, eine wesentliche Einkommensquelle für manche Länder. Auch der Tourismus ist eine Industrie, die von der Liberalisierung des Welthandelsabkommens betroffen ist, was dazu führt, dass kleine und mittlere Unternehmen sich gegen internationale Unternehmenszusammenschlüsse zur Wehr setzen müssen und die Rolle der Regierungen darauf beschränkt wird, die Investitionen im Tourismus zu steuern und dessen Richtlinien zu bestimmen. Um diese Investitionen attraktiv zu machen, haben Regierungen die Landwirtschaft liberalisiert, wodurch die Versorgung mit Nahrungsmitteln (für die eigene Bevölkerung) nicht mehr gesichert ist.
Die Zerstörungen durch den Tsunami nach Weihnachten wie auch durch die Erdbeben nach Ostern zeigen das wahre Gesicht der Globalisierung.
Der Tsunami tötete eine Viertelmillion Menschen und machte Millionen zu Flüchtlingen. Bis heute gibt es keine klare Antwort darauf, warum trotz der Fortschritte in der Kommunikationstechnologie keine Warnung gegeben wurde. Die Katastrophe machte 1,5 Millionen Kinder in der Region verletzbar in mehrerlei Hinsicht: Sie müssen nicht nur Seuchen, Armut und Unmöglichkeit eines Schulbesuchs fürchten, sie haben auch den Menschenhandel zu fürchten. Dieselben Handys, die wir benutzen, um schnell unseren Freunden ein paar Sätze zu schreiben, oder um ihnen Fotos zu schicken, werden zu Werkzeugen im internationalen Kinderhandel. Ein UNICEF-Mitarbeiter erhielt eine Textbotschaft, in der Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren zum Verkauf angeboten wurden. „Kinderhandel und sexuelle Sklaverei sind globale Epidemien“ sagte die Präsidentin der Stiftung für Prävention gegen familiäre Gewalt, Esta Soler.
Neben dem Wiederaufbau von Häusern und der Beschaffung von Fischerbooten und Fischnetzen ist vermutlich Traumabehandlung das Gebiet, das von den meisten Spendern unterstützt wird. Fürsorge ist ein gutes Geschäft geworden. Sicher, das Gedächtnis der Betroffenen muss Heilung erfahren, und die Menschen müssen zurückkehren ins Leben. Die Frage ist aber, was für eine Art von widerstandsfähigen Kindern werden wir formen und wofür? Was bedeutet Traumabehandlung in Zeiten der Globalisierung? Es ist in Ordnung, dass wir für die Wunden der Kinder diesen neuen wunderbaren Verband haben, aber an erster Stelle muss die Beseitigung der Ursachen kommen, die sie in Gefahr brachten. Die Leute vom Welthungerprogramm sagen, dass Hunger ein Tsunami ist, der jeden Tag da ist. Im Unterschied zum Tsunami könnte gegen Hunger aber etwas getan werden. Und das ist die wahre Tragödie.

Der Geist von Bandung: Asiens Erbe an Solidarität

Theologinnen in Asien haben die Globalisierung als eine Form des Götzendienstes beschrieben:
  • Geld ist Gott
  • Die Einkaufszentren sind die Tempel, und der Bezirkstempel ist der Bezirks-McDonalds
  • Die Dogmen sind Handelsfreiheit, Abbau stattlicher Kontrollen und Privatisierung
  • Die Missionare sind die Manager der Multis, die in der ganzen Welt eingesetzt werden
  • Die Hohen Priester sind die Offiziellen der Welthandelsorganisation, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der APEC
  • Das Opferlamm auf dem Altar ist die Mehrheit der Weltbevölkerung
Diese kritische Perspektive wurde von den Leitern einiger asiatischer Kirchen aufgegriffen, die jetzt den Begriff Globalisierung mit der des Empire verbinden. Weitaus mehr kritisches Engagement ist notwendig, um der Wucht dieses neuen Götzendienstes zu widerstehen. Der Kongress Asiatischer Theologen erklärte 2003:
Viele asiatische Kirchen und Theologen wurden vom „Empire“ als Sprecher für seine Interessen gewonnen. Sie haben kläglich in der Erfüllung ihrer prophetischen und Pastoralen Mission versagt. Im Angesicht von Ungerechtigkeit, Gewalt und schweren Menschenrechtsverletzungen blieben die meisten Kirchen stumm. Aufgrund ihres Minderheitenstatus’ und ihrer falsch gesetzten Prioritäten sind sie den Weg des Kompromisses gegangen: sie haben die Anpassung gewählt. Die Kirchen haben sich weder dem Geist des Patriarchats in ihren eigenen Reihen gestellt, noch haben sie die Verbindung des Patriarchats mit anderen Systemen, Ideologien und Unterdrückungs- und Herrschaftsstrukturen wahrgenommen. Die Kirchen haben die Belange und den Kampf der Armen, Marginalisierten und Unterdrückten nicht ernst genommen.
Aber es reicht nicht, über die Wunden zu sprechen, die durch die Globalisierung geschlagen wurden. Dieser Prozess hat Widerstand und internationale Netzwerke gegen Verschuldung, Privatisierung, Menschenhandel und Militarisierung zur Folge. In den Kirchen Asiens hat er zur tieferen Erforschung der asiatischen Spiritualität und zu den Traditionen der messianischen Bewegung geführt.
Vor 50 Jahren, im April des Jahres 1955, trafen sich Asiaten und Afrikaner in Bandung (Indonesien) zu einer Konferenz, die heute als die „Bewegung der Unangepassten“ bekannt ist, die Basis der afrikanisch-asiatischen Solidarität. Zwei Jahre später wurde die erste afrikanisch-asiatische Organisation auf einem Treffen, das unter dem Namen „Zusammen leben“ bekannt ist, gegründet. (Das klingt der UEM-Präambel, wo die Gemeinschaft von Kirchen in Asien, Afrika und Deutschland verbunden ist als eine Gemeinschaft „um miteinander zu beten, zusammen zu lernen und zusammen zu dienen“, sehr ähnlich.) Für uns in Asien ist es wichtig, dass wir dieses unser Erbe nicht verlieren, sondern es leben, indem wir Gemeinschaften des Lebens gründen, in denen wir im Sinne der Begegnung miteinander umgehen und nicht mit Aggression. ☐
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Globalisierung aus afrikanischer Perspektive

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Fidon R. Mwombeki

Globalisierung aus afrikanischer Perspektive

Einleitung

Immer, wenn ich von meinem kleinen Apartment in Bochum zu einem Spaziergang aufbreche, kann ich im Hintergrund das riesige Schild sehen: Opel. Was für eine gewaltige Fabrik! Das ganze erinnert mich an ein großes Schild, das ich am Rathaus von Bochum hängen sah: „Insgesamt mit Opel“, Teil der großen Kampagne der Bürger Bochums zur Erhaltung der Opel-Fabrik, als die amerikanische Firma General Motors sie schließen und die Produktion aufgrund billigerer Arbeitskräfte und anderer Betriebskosten nach Polen verlegen wollte. Auf dem Spiel standen tausende Arbeiter und deren Familien, die sich so zu den Millionen in Deutschland gesellen würden, die bereits arbeitslos sind. Ich fragte mich: Ist Opel eine deutsche Automarke? Wer kann schon noch sagen, wo etwas hergestellt wird? Während des Workshops, den die UEM im Februar 2004 in Iserlohn organisiert hatte, war ich Teil einer Gruppe, die sich durch Besuche bei Landwirten einen Eindruck vom Einfluss der Globalisierung auf die deutsche Landwirtschaft machte. Ihre Arbeit ist wirklich hart, und jedes Mal müssen sie mehr tun und weniger verdienen, trotz EU-Subventionen für Ackerbau und Viehzucht. Damals lernte ich das Wort „Katastrophe“. Einer von ihnen, der viertausend Schweine, hunderte Kühe und einen kleinen Garten besaß, war nicht in der Lage, die eigenen Kosten zu decken. Sein Gemüselager war gefüllt mit Gemüse aus Spanien, Süditalien oder Portugal. Die Bedrohung durch die EU-Erweiterung war so offensichtlich für ihn.
Afrika
Wenn Globalisierung der größten Wirtschaft in Europa solchen Schaden zufügen kann, was ist dann mit Afrika – dem ärmsten Kontinent? Wirtschaftliche Globalisierung wird, kurz gesagt, durch ungerechte Kraftverhältnisse charakterisiert. Die Starken verzehren die Schwachen. Derjenige, der reich ist, kontrolliert die sozialen, politischen, wirtschaftlichen, ja sogar kulturellen Aspekte des Lebens. Das Ungleichgewicht der Machtverhältnisse, das durch die Armut Afrikas erzeugt wird, sorgt dafür, dass Afrika marginalisiert wird. Nie werde ich den Kommentar eines Redners vergessen, den ich vor einigen Jahren auf dem Kirchentag in Stuttgart hörte: Dass, da das Afrika südlich der Sahara weniger als 2 % zur Weltwirtschaft beitrage, die Börsen in New York, Frankfurt, Paris und London nicht im geringsten beeinträchtigt würden, wenn es im Meer versänke (z.B. durch einen Tsunami). Afrika ist also entbehrlich in den Augen von Kapitalisten und geldhungrigen Globalisierungsbefürwortern. Da Afrika arm ist, hat es keine Stimme im Machtgeschäft der undemokratischen „internationalen Institutionen“, wie der Weltbank, dem IMF, der WTO, der UN usw. Seine Meinung ist bedeutungslos, seine Not bedeutet nichts. Wen kümmert es?
Die Auswirkungen der Globalisierung auf Afrika sind also charakterisiert durch seine Machtlosigkeit, und ich werde ein paar Beispiele hervorheben, um aufzuzeigen, wie die vier Hauptprinzipien der Globalisierung Afrika beeinflussen.

1. Liberalisierung des Handels: Afrika als Schutthalde

Jemand wie ich, der in Tansania mit einer Wirtschaft nach sozialistischem Vorbild aufwuchs, kann, wenn er ehrlich ist, die vielen Vorteile der Handels-Liberalisierung nicht abstreiten. Wir führten ein Leben ohne Zucker, Kleider, Schuhe, Zahnpasta und Toilettenpapier. Nach dem weltweiten Zusammenbruch des Kommunismus kam die Liberalisierung des Handels, die nahezu alles erlaubte. Unsere Regierung wusste die Situation nicht zu kontrollieren. Tansania musste sich gegen starke Konkurrenz von allen Seiten behaupten. Unsere kleinen, ineffizienten, Not leidenden Industrien und Firmen brachen einfach zusammen, zu hunderten. Wir wissen allerdings, dass diese „Liberalisierung“, in der Afrika nicht der geringste Einfluss zugestanden wird, nur den armen Ländern aufgezwungen wird, die sich nicht verteidigen können und ihre Interessen nicht durchzusetzen vermögen.
Die reichen Länder festigen ihre Wirtschaft durch tarifliche und nicht-tarifliche Barrieren aller Art, um sicherzustellen dass ihre Industrien und Arbeitsplätze gegen ausländische Konkurrenz geschützt sind. Wir sehen das vor allem, wenn die großen zwei – USA und EU – darum kämpfen, wer was behütet – sei es Stahl, Wein, Banken, Filme oder Software.
Wenn wir versuchen, kleine Zölle auf gebrauchte Kleidung aus reichen Ländern durchzusetzen, halten diese Länder ihre Zuschüsse zurück, weil wir „Verfechter von Schutzzöllen“ seien. Sogar gut klingende Projekte, wie das „Alles außer Waffen“ Programm der EU oder der amerikanische „Africa Growth and Opportunity Act” (AGAO, „Gesetz für Wachstum und Chancen in Afrika“), sind nichts als politische Propaganda. Senegalesische Tomaten werden niemals einen Platz in deutschen Supermärkten haben, sogar dann nicht, wenn sie andere Zollbarrieren überwinden könnten. Aber was hat die Globalisierung mit Senegalesischen Tomatenproduzenten gemacht? Nachdem sie gezwungen wurden, ihre Märkte zu öffnen, nachdem sie Anbau- und Exportsubventionen erhielten, war Tomatenmark aus der EU viel billiger als alles, was im Senegal produziert werden konnte. Viele Bauern verfielen der Armut und aßen subventioniertes Tomatenmark aus der EU. Das ist durch den Markt regulierter „freier Handel“! Darum ist Afrika entschieden gegen Hilfsgelder, besonders „Exportsubventionen“, die automatisch unsere heimischen Industrien ruinieren bevor sie überhaupt entstehen können. Wie kann es sein, dass Medikamente aus Deutschland, Bic-Stifte aus den USA, in Sambia billiger sind als in Deutschland und den USA, sogar nach Zöllen und zahlreichen Steuern? Wir werden in eine riesige Schutthalde für Gebrauchtwagen, Gebrauchtelektronik, Altkleider und billigen Ausschuss, der in anderen Ländern verboten ist, verwandelt. Diese Produkte werden in Afrika unter dem Wert ihres Verpackungsmaterials auf unseren Straßen verkauft, um Arbeitsplätze in reichen Ländern zu erhalten. Darum mögen wir die WTO und ihre ungerechte Vorgehensweise nicht, die uns keine Stimme einräumt und es reichen Ländern gestattet, arme zu korrumpieren, um ihre eigenen Wünsche durchzusetzen.

2. Liberalisierung von Kapitalkonten: Kapitalflucht aus Afrika

Ein weiterer Grundsatz der wirtschaftlichen Globalisierung ist die Freigabe von Kapitalkonten. Durchgesetzt von IMF und Weltbank, wird afrikanischen Ländern gesagt, dass sie ihre Devisenmärkte freigeben müssen, indem sie den Wert ihrer Währungen von den Märkten bestimmen lassen und zudem den freien Geldfluss in die Länder und aus den Ländern gestatten. China hat das bis heute abgelehnt, und seine Wirtschaft wächst, während der Westen darüber jammert. Durch diese Verfahrensweise sind Firmen aus reichen Ländern in der Lage, so viel Geld wie möglich zu machen und sich so schnell und bald wie sie wollen wieder zurückzuziehen. Daher ist es die Hautaufgabe des IMF, sicherzustellen, dass arme Länder „vernünftige makroökonomische Strategien“ haben. Die Länder müssen IMF und Weltbank regelmäßig Bericht erstatten, wie weit sie damit fortgeschritten sind, strukturelle Vorgehensweisen zu implementieren, und ob sie sich den von diesen Institutionen gesetzten Richtwerten angenähert haben. Und einer dieser Richtwerte ist mit Sicherheit die Freigabe der Finanzmärkte. Aber die Freigabe der Kapitalkonten könnte Afrika bald auf den Pfad Malaysias und Argentiniens fuhren. Es ist offensichtlich, dass man keine großen Geldbeträge aus reichen Ländern abführen kann, da diese Kontroll- und Beobachtungssysteme besitzen, die uns nicht zur Verfügung stehen.

3. Ausländische Direktanlagen: Ausländischer Direktabbau

FDI wird als eine der bedeutendsten Ertragsquellen zur Investition in wirtschaftliche Projekte gerühmt, die sowohl zu Wachstum als auch Reichtum führen. Es ist wahr, dass FDI ein bedeutendes Mittel des Technologietransfers darstellt. Wir haben Modernisierung der Telekommunikationssysteme, Transportsysteme und Finanzmärkte – insbesondere im Bank- und Versicherungswesen – erfahren. Allerdings ist sie an mehrere langfristige Rückzahlungen gekoppelt.
Erstens erhält Afrika wegen seines Mangels an technologischem Fortschritt, niedrigem Bildungstand und schlechter Infrastruktur weltweit am wenigstens von FDI. Wir profitieren nicht von Langzeitinvestitionen durch Firmen, es sei denn sie investieren in Unternehmungen, die riskant oder in ihren eigenen Heimatländern rechtlich anfechtbar sind, z.B. Abholzung, Tabak, Chemikalien etc. Diese Firmen kommen nach Afrika, weil wir so dringend Geld benötigen, dass wir bereitwillig über Sicherheit, Arbeits- und Umweltstandards hinwegsehen. Es gibt keine Investoren für Landwirtschaft und Produktion.
Zweitens investieren die meisten Firmen in „Abbau“-Industrien. Uns wird gesagt, dass mehr als 60 % der Investitionen in Afrika im Bereich der Gas-, Bergbau- und Ölindustrie stattfinden. Die Gründe sind offensichtlich. Sie erhalten Steuerbefreiung und zahlen sehr niedrige Gebühren an die Regierungen, von denen viele selber korrupt sind und jede beliebige Menge exportieren. Wir in Tansania haben diese „Abbau“-Investitionen selber erfahren. In kürze werden wir der weltweit drittgrößte Produzent von Gold sein. Im März las ich in tansanischen Zeitungen, dass eine brandneue Mine in meiner Region die Förderung aufgenommen hat. Aber raten Sie, wen die Nachricht erfreute! Die Investoren der Firma an der kanadischen Börse. Mit Sicherheit nicht die Gemeinden um die Mine herum, aus denen viele Familien abziehen mussten, um den Weg für die „Investoren“ frei zu machen. Sie wurden als unpatriotisch und selbstsüchtig bezeichnet, als sie angemessene Entschädigung erbaten. Unser Gold, unsere Diamanten, unser Holz, sowie unsere Fische und wilden Tiere verschwinden also mit solcher Geschwindigkeit, dass wir in ein paar Jahren nur noch über eine Menge leere Gruben und ödes Land verfügen werden. Uns wird noch nicht einmal gestattet, die Verarbeitung der Ressourcen in unserem eigenen Land zu fordern. Unsere Regierung hat einmal versucht, ein Gesetz zu verabschieden, das das Schneiden und Polieren unserer Mineralien – besonders von Tansanit, das nur in Tansania vorkommt – verlangt, um den Wert der Mineralien zu steigern und Arbeitsplätze für unsere Bürger zu schaffen. Sie wurde von den „Investoren“ gerügt, und auch von der „Spendergemeinde“, die um ihren „investorenfreundlichen“ Ruf fürchtet. Es brauchte die Gewalt im ölreichen nigerianischen Delta um die Ölförderer davon zu überzeugen, die Not der Menschen, aus deren Land sie das Öl über Generationen hinweg ohne jedweden Vorteil für die örtliche Bevölkerung gewonnen hatten, ernst zu nehmen.
Der Abbau findet auch auf dem finanziellen Sektor statt. Banken wie Citibank in den USA, Barclays Bank in Großbritannien und Stanbic Bank in Südafrika konzentrieren sich ausschließlich auf Finnen- und Auslandsgeschäfte, bei denen sie Botschaften, NROs und Firmen aus ihren jeweiligen Ländern anvisieren. Sie sorgen dafür, dass Profite aus Geldern ihrer eigenen Länder wieder in diese zurückfließen. Aus diesem Grund haben die meisten von ihnen nur eine Zweigstelle im ganzen Land.
Drittens werden unsere Länder gezwungen, „einem Tiefpunkt entgegenzueilen“, um mehr „Investoren“ anzuziehen. Sie senken alle Arbeits-, Umwelt- und Finanzstandards in einem derartigen Ausmaß, dass die Menschen nicht mehr zählen.
In dieser Globalisierung wird Afrika also im Allgemeinen immer noch als Quelle billiger Arbeitskräfte und Rohmaterialen angesehen. Nun könnte man fragen: Was ist mit den ethisch orientierten „Fair Trade“ Programmen, die Christen seit langem in Form von GEPA, Max Havellaar, Jacobs, etc. in den Industrieländern betrieben haben? Dazu muss ich leider sagen, dass es Zeit ist, diese Konzepte zu überdenken. Ich stimme zu, dass sie tatsächlich gute Arbeit geleistet haben, wenn es darum geht, beide Seiten des Handelsgefälles über die unfairen Handelspraktiken in der Welt aufzuklären. Aber es ist ihnen nicht wirklich gelungen, genug Menschen in den Industrieländern davon zu überzeugen, auf die so genannten „Fair Trade“ Produkte umzusteigen. Schlimmer noch, sie erreichen zu wenige Leute im Süden und die Auswirkungen sind minimal.
Ich habe mich gefragt warum diese Fair Trade Firmen weiterhin dem Denkmuster des Rohmaterial-Imports aus unseren armen Ländern folgen. Ich glaube, dass wir diese Firmen anregen sollten, mehr in den Süden zu investieren, um eine größere Wirkung zu erzielen. Mein Vorschlag wäre, in Verarbeitungskapazität und Verpackungstechnologie für den afrikanischen Markt genau im Süden zu investieren, anstatt 20 Tonnen Kaffee von hunderten von Leuten aus drei Dörfern zu importieren. Macht es wie Vodafone und Coca Cola. GEPA sollte den Menschen aus Ghana helfen, GEPA Schokolade in Ghana herzustellen, um sie dort selbst zu essen und einen Teil an Tansania und Namibia zu verkaufen. Das wäre meine Vision, die es den Bewohnern Afrikas ermöglichen würde, Qualitätsprodukte aus Europa zu importieren, während zugleich neue Arbeitsplätze erzeugt und die Einkommen der Menschen gesteigert würden.

4. Privatisierung: Firmenherrschaft

Alle Länder dieser Welt, die regierungseigene Betriebe hatten, wissen sehr wohl, dass Regierungen keine guten Geschäfte machen. Egal ob im Transportwesen, Handel oder sogar Finanzwesen: Regierungssysteme und -entscheidungsprozeduren sind zu teuer, zu bürokratisch und zu ineffizient um eine Firma zu leiten. So weit ich es beobachten konnte, ist die Privatisierung von Firmen daher eine gute Maßnahme. In Tansania hatten wir regierungseigene Firmen, die mehr Leute in ihren Büros beschäftigten, als Stühle für diese zur Verfügung standen. Eine Zuckerfabrik in meiner Heimatregion, die nach ihrer Einrichtung nur zwei Jahre in Betrieb war und danach 15 Jahre lang brach lag, stellt nun, nach Übernahme durch eine lokale Firma, Arbeitsplätze für mehr als 3.000 Menschen. Und sie ist auf dem besten Weg, die größte Zuckerfabrik in Ost- und Zentralafrika zu werden. Dies wird die Notwendigkeit des Zuckerimports deutlich reduzieren.
Das Konzept ist allerdings mit schwerwiegenden Problemen behaftet. Erstens hat Privatisierung in der Mehrzahl der Fälle Monopole erzeugt, durch welche die Autorität der Länder hinsichtlich der Gestaltung ihrer eigenen Zukunft und Orientierung effektiv minimiert wurde. In der Dominanz Transnationaler Firmen (TNCs) sehen wir einen Trend, nach welchem diese, nachdem sie einen bestimmten Sektor kontrollieren, sogar den Regierungen vorschreiben, was sie tun sollen. Diese Tendenz ist ärgerlich und könnte den Nationen ein großes Ausmaß an Zerrüttung bescheren.
Zweitens bedeutet Privatisierung, dass bedeutende wirtschaftliche Mittel nun in den Händen anonymer Finnen liegen. Sehr wenige Leute haben direkten Zugriff auf das Geld dieser Firmen. Daher wird die Kluft zwischen Arm und Reich weltweit zum gefährlichen Phänomen. Dies erinnert mich an meinen kurzen Besuch auf den Philippinen im vergangenen Jahr, ein Land, dem eine „mittlere Einkommensstufe“ zugeschrieben wird. Dort sah ich ein Ausmaß an Armut, das die meisten Menschen in Afrika weder kennen noch erahnen können. Der Einfluss des Geldes, gemischt mit dem Ausmaß allgemeiner Armut und dem Mangel an transparenten Regierungssystemen, erzeugt ein Rezept für Korruption und Vetternwirtschaft in unserem politischen und sozialen Leben.
Drittens besteht das Problem der zügellosen Privatisierung, die das allgemeine Wohl außer Acht lässt. In mehreren afrikanischen Ländern haben wir die Privatisierung sozialer Dienste und anderer nicht-profitorientierter Sektoren erfahren, die allerdings für das humane Auskommen aller Menschen unerlässlich sind. Wo auch immer z.B. die Wasserversorgung privatisiert wurde, sind schwerwiegende Probleme entstanden. Die Wassersysteme sind die Hauptziele der europäischen TNCs. Privatfirmen aus Europa und Amerika (z.B. Vivendi und Suez Lyonnais in Frankreich, die US-Firmen Bechtel und Coca Cola und das deutsche RWE) wetteifern nun um die Kontrolle des Wassergeschäfts, so wie es andere TNCs mit der Landwirtschaft tun (indem sie Saatgut monopolisieren und Kulturpflanzen mit Markennamen versehen). Einige Statistiken zeigen, dass TNCs 70 % des Welthandels, 80 % ausländischer Direktinvestitionen und 70 % der Technologietransfers kontrollieren.
Viertens geraten wir angesichts des steigenden Trends zur Firmenübernahme, der sich im Westen bemerkbar macht, schnell zurück ins Zeitalter der „internationalen Monopole“. Diese Monopole sind schlimmer als Staatsmonopole, weil ihre Führungsebenen nur den eigenen Gremien gegenüber verantwortlich sind, die wiederum von der Anzahl an Aktien abhängig sind, über die einzelne Leute verfügen. Da ihr Ziel in Profitmaximierung besteht, ist es nicht ihr Problem, ob Menschen das kriegen, was sie benötigen. Diese Gemeinschaften sind äußerst schwer fassbar, wie das Internet, das ihre Funktionen charakterisiert, und zudem nahezu unkontrollierbar. Wenn es schon für Industrieländer schwierig ist, sie zu kontrollieren, können Sie sich vorstellen, was dies für unsere schwankenden Demokratien und Diktaturen bedeutet. Unsere Länder werden bald von Geschäftsführungen, vom Geld gesteuert. Und da einige wenige Leute unglaublich reich werden, werden sie praktisch die neuen Diktatoren der armen Länder sein, und übrigens auch des Westens. So wie die Dinge fortschreiten, scheint es, als ob das Leben, das wir mit Europa verbinden und in welchem jeder Unterkunft, sichere Verpflegung und soziale Sicherheit genießt, weltweit verschwindet, dank des amerikanischen Kreuzzugs gegen das Konzept kommunalen Lebens.

Fazit

Die Globalisierung hat die Welt in ungekanntem Maße zusammengeführt. Wir sind auf dem Weg zu einer globalen Konsumkultur. Aber diese Globalisierung ist äußerst ungerecht, da sie von Menschen geführt wird, deren Ideologie das Gesetz des Dschungels ist – das Überleben des Stärkeren. In einer solchen Situation wurde Afrika praktisch an den Rand gedrängt. Afrika ist nicht an Bord dieses Schnellzugs, der auf niemanden wartet. Afrika hat keine Stimme, kann nicht verhandeln und wird in vielerlei Hinsicht äußerst ungerecht behandelt. Aber es ist übrigens nicht nur Afrika, weshalb Einige inzwischen auch vom „Globalen Süden“ sprechen. Jedes Jahr werden es in jedem Land mehr und mehr Millionen Menschen, die aus dem Schnellzug ausgeschlossen werden, ohne Stimme und ohne realistische Chance, ihr Leben zum Besseren zu wenden. So wie die Welt mehr Güter und Dienste produziert, so wie das Leben erschwinglicher wird, werden immer weniger Millionäre erzeugt, die jedoch immer größere Anteile des Weltvermögens erhalten. Zur gleichen Zeit werden immer mehr Menschen immer ärmer und überleben nur einige wenige Jahre voller Unterernährung, Krankheit und Konflikte. Kein Wunder, dass der Terrorismus im Aufschwung ist, kein Wunder, dass eine der am schnellsten wachsenden Branchen die der privaten Sicherheitsdienste ist – für die Reichen, natürlich. Niemand würde sagen, dass Globalisierung insgesamt negativ ist. Niemand würde auch nur versuchen, den Zug zu abgeschlossenen nationalen Märkten zurückzuführen. Es ist einfach nicht möglich und auch nicht wünschenswert. Aber wir sollten den Herrn bitten, dass er uns hilft, unsere Verantwortung zu erkennen – die Verantwortung, Seele und Gewissen in den Prozess der Globalisierung einzubringen. Es ist möglich. Seit unser amtierender Präsident, Benjamin Mkapa im Jahre 1995 an die Macht kam, wurde Tansania als Land gerühmt, das den Vorschriften der Spender und Gläubiger folgte. Er wurde später zum Co-Vorsitzenden (zusammen mit dem Präsidenten von Finnland) der ILO Kommission für die Soziale Dimensionen der Globalisierung ernannt, die ihren Bericht Ende letzten Jahres vorlegte. Lassen Sie mich mit einem Zitat aus diesem Bericht schließen:
Wir glauben, dass die dominante Perspektive bezüglich der Globalisierung von einer engen Beschäftigung mit Märkten auf eine breitere Beschäftigung mit Menschen umschwenken muss. Globalisierung muss vom hohen Podest der firmeneigenen Konferenzsäle und Kabinettssitzungen genommen werden, um die Bedürfnisse der Menschen in den Gemeinden, in denen sie leben, zu befriedigen. Die soziale Dimension der Globalisierung betrifft Arbeitsplätze, Gesundheit und Erziehung – aber sie umfasst weit mehr als das. Es ist die Dimension der Globalisierung, die Menschen in ihrem täglichen Leben und bei der Arbeit erfahren: Die Gesamtheit ihres Strebens nach demokratischer Beteiligung und materiellem Wohlstand. Eine bessere Globalisierung ist im 21. Jahrhundert der Schlüssel zu einem besseren und sichereren Leben für die Menschen überall. (S. Vii) ☐
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Hans de Boer feiert 80. Geburtstag

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Dietrich Horstmann

Hans de Boer feiert 80. Geburtstag

Eine illustre Schar von Gratulantinnen und Gratulanten fand sich auf Einladung des Internationalen Versöhnungsbundes am 17.4.2005 im Calvinhaus Duisburg ein. Hans, der sonst solche Ehrungen ablehnt, hatte dem Druck nachgegeben und ließ sich und sein Lebenswerk mit zahlreichen Grußworten würdigen. Die ganze Spannbreite seines Engagements für Gewaltlosigkeit und Frieden, Gerechtigkeit für die 3. Welt und für Demokratie gegen den Faschismus wurde deutlich. 
Den Höhepunkt bildete die Laudatio von Präses Schneider, der das prophetische Wirken von Hans A. de Boer hervorhob. Seine Appelle an unser Gewissen, die durch eine glaubwürdige Lebenspraxis untermauert werde, seien oft unbequem, aber wichtig für uns, damit wir wach bleiben. Interessant waren die Stimmen aus der DDR. Jahrelang hatte Hans de Boer – unter ständiger Beobachtung durch die Stasi – in den Osterferien Vortragsreisen durch den Osten unternommen. So hob ein Redner hervor, dass er ihnen eine realistischere Sicht des „Westens“ eröffnete hatte, die sie gut auf den Kapitalismusschock nach der sogenannten Wende vorbereitet habe. 
Hans A. de Boer setzte in seiner Rede einen deutlichen Schwerpunkt auf seine Anti-Nazi-Haltung.
Er enthüllte, wie und wo in der jüngsten Vergangenheit bis heute die braune Seilschaften tätig sind.
Stellvertretend für die weiteren Gäste – unter denen sich viele junge Leute befanden! – seien genannt: Präses i.R. Manfred Kock, OKR Wilhelm Schlemmer, Prof. Dr. Konrad Raiser , Prof. Dr. Bernd Bernd Schröder und Renate Brunotte von der KL und der ökumenischen Basis.
Was hat Transparent mit Hans A. de Boer zu tun ? Nun, er hat als erfahrener Reisender in Sachen Frieden und Ökumene für uns Weltkonferenzen besucht und uns mit Hintergrundinformationen versorgt. Er wirbt weiterhin unermüdlich für die Zeitschrift mit seinen Abos, die er auf seinen Vortragsreisen weiterreicht. Diese Treue sei ihm besonders gedankt.
Wir wünschen ihm weiterhin „Gesegnete Unruhe“. ☐

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