TRANSPARENTonline

für die kritische Masse in der Rheinischen Kirche

Nr. 96

editorial

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Liebe Leserinnen und Leser!

Was haben Lady Di, Schalke 04 und Margot Käßmann gemeinsam? Die Königin der Herzen, der Meister der Herzen und – nun ja: die Ratsvorsitzende der Herzen? Einen kurzen (historischen) Moment lang wurde der deutsche Protestantismus von einer charismatischen Lichtgestalt repräsentiert, die intelligent, mutig, erfrischend lebendig und auch noch optisch gewinnend nicht nur das protestantische Publikum begeistern konnte. Dann kam der plötzliche Fall. Bleibt das Kapitel Margot Käßmann nun eine Episode und Fußnote der Kirchengeschichte – oder sichert ihr der frühe Abgang nun den Aufstieg zur Ikone? Wir werden sehen.

Überhaupt kann sich die Kirche zur Zeit nicht über mangelnde Aufmerksamkeit der Medienöffentlichkeit beklagen. Da das Thema Missbrauch aber in den Medien so umfassend behandelt wird und sich ständig neue Entwicklungen ergeben, überlassen wir als Vierteljahreszeitschrift die Berichterstattung darüber lieber der Tages- und Wochenpresse.

Statt dessen behalten wir die finanziellen Entwicklungen in der Evangelischen Kirche im Rheinland fest im Visier. H.J. Volk wirft unter anderem einen kritischen Blick auf das demographische Schreckgespenst und hat zum Hintergrund der kircheneigenen Finanzkrise ein paar sehr erhellende Fakten zusammengetragen (s. Seite 6). Weitere, ebenfalls äußerst lesenswerte Texte finden sich auf der Homepage „Zwischenrufe“ unter www.zwischenrufe-diskussion.de. Außerdem drucken wir ein Interview mit Jürgen Klute ab, das im Neuen Deutschland erschienen ist und sich mit dem Gebaren von Kirche und Diakonie im Umgang mit Arbeitnehmerrechten befasst (s. Seite 12). Weil am Schluss noch ein wenig Platz war, gibt es schließlich noch ein Schlaglicht auf die Bildungslandschaft BRD im Jahre 2010: Nicht zur Nachahmung, aber dringend zum Nachdenken empfohlen (s. Seite 33).

Nach all dem Negativen haben wir aber auch einen kleinen Lichtblick gefunden: Die rheinische und die westfälische Kirche haben sich in Gestalt ihrer beiden Präsides gegen die biedermeierlichen Brandstifter von „Pro NRW“ geäußert („mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar“) und rufen zu einem friedlichen Miteinander der Religionen und Kulturen auf (s. Seite 5). Wie interkultureller Dialog – auch an kritischen Punkten wie der Diskussion um die Menschenwürde – aussehen könnte, dafür liefert Werner Kahl diesmal im Innenteil ein informatives Beispiel.

Darüberhinaus gibt es natürlich noch viel, viel mehr zu entdecken in diesem Heft, aber wir wollen ja nicht, dass die geneigte Leserin / der geneigte Leser das Heft schon nach Lektüre des Editorials zur Seite legt, sondern es – wie gewohnt – von der ersten bis zur letzten Seite verschlingt und auswendig lernt. Es ist immerhin unter Umständen das vorvorletzte in gedruckter Form.

Jetzt bleibt nur noch, allen eine schöne Osterzeit zu wünschen, und nach dem langen bitteren Winter ein wahrhaftes Frühlingserwachen!

Die Redaktion


PS. Und vielleicht schafft Schalke es ja dieses Jahr …

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Die Erben spätrömischer Dekadenz

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Hans-Jürgen Volk

Die Erben spätrömischer Dekadenz

Wir gehen harten Zeiten entgegen. Ein exponierter Politiker, Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, möchte um jeden Preis ein halbwegs passables Ergebnis seiner Partei bei kommenden Landtagswahlen erreichen. Er bringt sich ins Gespräch mit Thesen, die die Wirklichkeit auf den Kopf stellen und versucht, Hartz IV-Empfänger und die Vielen, die mittlerweile im Niedriglohnbereich ihr Dasein fristen müssen, gegeneinander aufzuhetzen. Erbärmlich! Ein Mensch, der bewusst polarisiert und eine Gesellschaft spaltet, der gerade die, die es in unserer Gesellschaft am schwersten haben, verhöhnt und ihrer Würde beraubt. Die Antwort auf seine Tiraden kann eigentlich nur die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns sein. Doch das lehnt er ab, was entlarvend ist. Es geht ihm nicht um die Menschen.

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Nichts als die Wahrheit?

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Hans-Jürgen Volk

Nichts als die Wahrheit?

Die unredliche Kampagne um die Finanzkraft der Kirche

Von 2008 war für die Gliedkirchen der EKD in finanzieller Hinsicht ein ausgesprochen gutes Jahr. Doch zugleich wurden die Schatten der Finanz- und Wirtschaftskrise immer länger, je mehr es dem Jahresende zuging. Als der Vorsitzende des Finanzbeirates Klaus Winterhoff das Kirchengesetz für den Haushalt 2009 auf der Synode der EKD im November 2008 einbrachte, machte er folgende Ausführungen: „Angesichts der weiterhin absehbaren Kirchensteuerrückgänge infolge der demographischen Entwicklung, der Unbeständigkeit wirtschaftlicher Entwicklungen in einer globalisierten Welt sowie der anhaltenden Tendenz der deutschen Steuergesetzgebung zur Verlagerung des staatlichen Steueraufkommens von den einkommensabhängigen zu den verbrauchsorientierten Steuerarten, muss diese Entwicklung nach wie vor als vorübergehend angesehen werden - zumal nun schon ernste negative Folgen aus der Finanzmarktkrise für die Realwirtschaft zu erkennen sind.“

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Gemeinsames Wort zum Zusammenleben der Religionen

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Evangelische Kirche im Rheinland
Evangelische Kirche von Westfalen

Gemeinsames Wort zum Zusammenleben der Religionen

Liebe Schwestern, liebe Brüder in unseren Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen,

mit Sorge haben wir in den vergangenen Monaten wahrgenommen, dass eine kleine Gruppierung mit dem Namen ‚Pro NRW‘ versucht, politischen Einfluss zu gewinnen. Diese Gruppierung schürt gezielt Vorurteile gegen den Islam, macht pauschal die Ausländer für die sozialen Probleme in Städten und Stadtteilen verantwortlich und versucht, sowohl die Integrationspolitik wie auch das kirchliche Engagement für einen Dialog der Religionen als falsch und gefährlich darzustellen. Die Positionen dieser Gruppierung sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar.

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„Widersprüche zum Recht der EU“

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„Widersprüche zum Recht der EU“

Pfarrer Jürgen Klute über das Streikverbot und die Sonderstellung der Kirchen / Klute ist evangelischer Pfarrer und Mitglied der Linksfraktion im Europaparlament
Das Bielefelder Arbeitsgericht hat am 3. März einer Klage mehrerer evangelischer Landeskirchen, Diakonischer Werke und evangelischer Unternehmen stattgegeben, die ver.di-Streik- aufrufe von Ende 2009 in diesem Bereich untersagt. Die Kirchen beschäftigen in ihren Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonie rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer.
Über die Hintergründe und Auswirkungen des Bielefelder Urteils zum Streik in der Kirche sprach für ND Stefan Konrad mit dem ver.di-Mitglied Jürgen Klute.

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