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für die kritische Masse in der Rheinischen Kirche

Kürzung-Schließung-Einordnung?

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Auf dem Heiligen Berg in Wuppertal geht die Sorge um, dass eine wichtige Einrichtung wie die Kirchliche Hochschule von der Rheinischen Kirche finanziell zusammengekürzt, geschlossen oder in das Theologische Zentrum eingeordnet wird. Prof. Dr.em.Berthold Klappert hat in einem „gutachterlichen Brief“ an die Kirchenleitung der Ev. Kirche im Rheinland seine widerständigen Argumente formuliert und begründet. Wir unterstreichen einige Aspekte aus diesem Brief:

 

Warum schreibe ich als dienstältester Prof. Dr. em. der KiHo diesen “gutachterlichen Brief“ ?

Im Jahre1974 bin ich als Privatdozent der Universität Göttingen durch den Hochschulrat der KiHo Wuppertal und durch die Kirchenleitung der EKiR an unsere Hochschule berufen worden. Das geschah mit dem ausdrücklichen Auftrag, eine solidarisch-kritische Begleitung des Weges der EKiR von der KiHo aus im Gegenüber zur Kirchenleitung, zu den Synoden und Gemeinden der EKiR ins Werk zu setzen. Diese kritisch-solidarische Begleitung hat unsere Rheinische Kirche und deren Kirchenleitung in vielfältigen Kontexten immer wieder, in der letzten Zeit leider immer weniger, von den Lehrenden der KiHo eingefordert. 

Infolgedessen habe ich in enger Zusammenarbeit mit meinen KollegInnen diesem Auftrag in den vergangenen Jahren in vielfältiger Weise zu entsprechen versucht. Von daher ist es mir mehr und mehr unmöglich, die KiHo als Teil und im institutionellen Rahmen eines „Theologischen Zentrums Wuppertal“ (ThZW) zu verstehen oder gar gebunden an Richtlinien eines „Internationalen Evangelischen Tagungszentrums GmbH“ (IETZW) akzeptieren zu sollen.. Ich berufe mich dabei entscheidend auf den vor der Fusion mit der KiHo Bethel – der Sache nach aber auch nach der Fusion beider Hochschulen – in jedem Vorlesungsverzeichnis direkt vorne abgedruckten § 1 der Satzung der damaligen KiHo Wuppertal, in der es wie folgt heißt:

„Die Kirchliche Hochschule nimmt gebunden an Schrift und Bekenntnis und im Bewußtsein ihrer Verantwortung gegenüber Kirche und Gesellschaft (!), die ihr nach staatlichem und kirchlichem Recht gewährleistete Freiheit in Wissenschaft, Forschung, Studium und Lehre wahr... Sie hat im Rahmen des kirchlichen Rechtes, insbesondere ihrer Satzung, das Recht der Selbstverwaltung (!). Die Kirchliche Hochschule erfüllt ihre Aufgaben im Rahmen ihrer Satzung und der in der Evangelischen Kirche im Rheinland geltenden Ordnung selbständig (!). Die Kirchliche Hochschule ist ... eine staatlich anerkannte Hochschule“.

Es ist nicht gut, wenn die im Jahre 2003/2004 von der EKiR und der EKvW vertraglich beschlossene und sich inzwischen immer mehr bewährende Fusion der Kirchlichen Hochschulen Wuppertal und Bethel durch die einseitige Ankündigung von Konsolidierungsprozessen in Gestalt massiver finanzieller Kürzungen infrage gestellt wird und die Westfälische Schwesterkirche davon erst durch die Presse informiert worden ist. Verträge müssen eingehalten werden: pacta servanda sunt. Das gilt erst Recht zwischen den eng miteinander verbundenen Partnerkirchen der EKiR und der EKvW. Die Leitung der EKiR hat seinerzeit bei der Zusammenlegung der Kirchlichen Hochschulen Bethel und Wuppertal auf dem „Hauptstandort Wuppertal“ bestanden, woraufhin die ebenfalls traditionsreiche Institution und Ausbildung in Bethel aufgegeben und auf ein diakoniewissenschaftliches Institut reduziert wurde. Im Schreiben der EKvW vom 19.9.2014 an die EKR wird deshalb zu Recht betont, dass „die kirchenpolitischen Gründe für den Erhalt kirchlicher Hochschulen sich nicht verändert haben“. Und besonders wichtig ist der weitere Hinweis: „Angesichts der langfristigen Entwicklung im Verhältnis Staat und Kirche ist ein Rückzug der Kirche aus der Trägerschaft eigener Ausbildungsstätten strategisch nicht zu rechtfertigen“.

Der Staat in einer sich immer mehr entchristlichenden Gesellschaft wird solche Hinweise auf Schließungen kircheneigener akademischer Ausbildungsstätten früher oder später dankbar im Blick auf seine eigenen staatlich-theologischen Fakultäten aufgreifen. Die Prozesse universitärer Einbindung theologischer Fakultäten in sog. „Kulturwissenschaften“ oder andere übergreifende Einheiten sind bereits in vollem Gang.

Es ist nicht gut, wenn die Kirchenleitung – was sie in nicht hoch genug zu lobender innovativer Weise bereits getan hat, nämlich das offene geschwisterliche Gespräch mit den Gemeinden an verschiedenen Orten unserer Landeskirche und zu den entscheidenden Aufgaben unseres Auftrages zu suchen – dieses Gespräch bisher nicht mit der zentralen Institution ihrer Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel gesucht hat. Es wird deshalb sinnvoll und nötig sein, dass – dem anderweitig bisher schon vorbildlich praktizierten, nämlich die Öffentlichkeit suchenden Verfahren der Kirchenleitung entsprechend – möglichst bald und bevor weitere irreversible Entscheidungen gefällt werden, ein öffentliches und offenes Gespräch an der KiHo zwischen der Kirchenleitung, dem Kuratorium und den VertreterInnen der EKvW einerseits und mit den Beteiligten aller drei Ebenen der Hochschule, a) den MitabeiterInnen in den Sekretariaten und der Bibliothek, b) den Assistierenden und Lehrbeauftragten und c) den ProfessorInnen andererseits stattfindet. Denn es ist nicht gut, dass z.B. bei den Mitarbeitenden der Bibliothek, der Verwaltung und in den Sekretariaten, anders als in früheren Jahrzehnten, inzwischen Unmut und Misstrauen aufgekommen sind, weil Veränderungen im Verwaltungsbereich und im Blick auf die Stellenfrage einseitig angekündigt werden, ohne dass ein geschwisterliches Gespräch mit den Betroffenen gesucht und ohne dass auf von der Mitarbeitervertretung (MAV) gestellte Fragen ausreichend geantwortet würde. Die geplante Zurückdrängung aller Büros der KiHo in einen einzigen Gang ist ein weiteres beunruhigendes Zeichen für die jetzige desolate Lage in diesem Bereich. Dem steht gegenüber: Die KiHo Wuppertal-Bethel besteht konstitutiv aus drei gleichgewichtigen Ebenen von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden. Der überaus kompetente und entgegenkommende Service der Wuppertaler und Betheler MitarbeiterInnen von Bibliothek und Sekretariat und Verwaltung ist bisher nicht in entsprechend gewürdigt worden. Die Assistierenden und ProfessorInnen wissen jedenfalls die gute menschliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit mit diesen MitarbeiterInnen sehr zu schätzen. Geplante Etat-Kürzungen werden ohne Frage den Wissenschaftscharakter der KiHo weiter aushöhlen.

III   Ergebnis und Folgerungen

Die traditionsreiche, konzeptionell überzeugende und darum schützenswerte Einrichtung der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel mit ihren freundschaftlichen Beziehungen zur jüdischen Synagogengemeinde von Wuppertal-Barmen und zum „Begegnungszentrum Neue Synagoge“ in Wuppertal-Elberfeld, mit den seit 1980 stattfindenden jüdischen Gastdozenturen, mit ihren ökumenischen Vernetzungen mit der VEM, mit dem diakoniewissenschaftlichen Schwerpunkt in Bethel, dem Lehrstuhl für Feministische Theologie, der „interkulturell arbeitenden Praktischen Theologie“ und dem Lehrstuhl für Missions-, Religionswissenschaft und Ökumene in Zusammenarbeit wiederum mit der VEM, mit dem guten Sprachprogramm für Anfangssemester, dem Lehrstuhl für Altes Testament und Archäologie und den dadurch gegebenen engen Beziehungen unserer KiHo zur Erlöserkirche in Jerusalem, dazu mit dem Vorlesungstransfer hin zurBergischen Universität Wuppertal – finanziell zusätzlich gestützt durch Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und ausgestattet mit zwei wissenschaftlich bestens aufgestellten Bibliotheken in Wuppertal und Bethel und mit engagierten MitarbeiterInnen in Sekretariat und Verwaltung – steht für ein kirchlich wie auch ökumenisch und gesellschaftspolitisch relevantes und innovatives Konzept, das in dieser Form an staatlichen Fakultäten nirgendwo anders in so breiter Fächerung studiert werden kann. An dieser Institution darf weder weiter finanziell gekürzt noch dürfen an ihr weitere MitarbeiterInnen-Stellen gestrichen werden. Vielmehr müssen über die besondere Verantwortung von EKiR und EKvW hinaus in gesamtkirchlicher Verantwortung alle Landeskirchen wie auch die EKD für die eine Hochschule im Süden, nämlich Neuendettelsau, und die andere Hochschule im Norden, nämlich Wuppertal/Bethel, auch finanziell verantwortlich gemacht werden.

Die überaus positiven Perspektiven, die der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel im Verbund mit der VEM, der EKiR und der EKvW geschenkt und neu eröffnet sind, rechtfertigen nicht noch weitere finanzielle Kürzungen, erst recht nicht die Schließung der KiHo. Dessen bin ich gewiss. Denn, um den Düsseldorfer Heinrich Heine zu zitieren: “Die Sachen geschehen nicht des Geldes wegen, aber es gehört Geld dazu, um sie in Gang zu bringen“ (Französische Zustände 1833). JHWH, der GOTT Israels und Vater Jesu Christi möge unsere „von Gott geliebte Rheinische (und Westfälische) Kirche“ (Präses Manfred Kock) durch alle Krisen hindurch führen und weiterhin segnen, „daß auch die Enkel Gott, wie wir Ihn fanden, finden“ (eg 619,1)

gez. Professor em. Dr. Bertold Klappert

(gleichzeitige Zustellung erfolgt an den Rektor der KiHo Wuppertal/Bethel und an die Präses der EkvW; Sperrfrist bis zum 9.11.2014

 

Nachtrag  der Transparent-Redaktion:

Uns überzeugen besonders zwei Argumente bei Prof. Dr.em. B. Klappert:

1.      Die Schließung der eigenen Hochschule hat mit Sicherheit Folgen für Bestand und Ausstattung der theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten.

2.      Die Evangelische Kirche in Deutschland muss zum Erhalt mindestens zweier Kirchlicher Hochschulen ihren Beitrag leisten.

 

Den ganzen Brief lesen Brief Klappert an KL

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